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Mittwoch, 26. August 2020

Rezension "An Ocean Between Us" von Nina Bilinszki

(c) Droemer Knaur

Averys Ballettkarriere endet, bevor sie beginnt, als sie in einen Autounfall verwickelt wird. Danach muss sie ihr Leben komplett umkrempeln. Ohne ihre Zukunft vor sich sehen zu können, geht sie aufs College und sucht nach ihrem Weg.
Dabei begegnet sie Theo, dem Schwimm-Star des Colleges. Zuerst hält sie ihn für arrogant, doch je besser sie ihn kennenlernt, desto mehr gefällt ihr, was sie sieht. Aber je stärker ihre Gefühle für ihn auch wachsen, die Vergangenheit verfolgt Avery. Kann sie sie wirklich hinter sich lassen oder holt der Unfall sie ein? Und wie wird Theo auf die Narbe reagieren, die sie für immer gezeichnet hat?



Die Geschichte:
Ich hatte eine emotionale Geschichte erwartet, die zeigt, wie sich Avery verwandelt. Von der jungen Frau, die nichts als Ballett im Kopf hat, zu der verletzten Studentin ohne Perspektive - und dann zu jemandem, der mutig seinen Weg sucht. Unterstützt durch die Liebe.
Stattdessen wurde der Zeitraum zwischen dem Unfall und Averys Studienbeginn übergangen, sodass sie bereits eine Wandlung hinter sich hatte, die man nicht mitgekriegt hat. Und eine weitere dazu, da sie gar nicht so verloren wirkt, wie man es erwarten könnte. Klar, es wird erwähnt, dass sie nicht weiß, wie es weitergehen soll. Aber hier hätte etwas mehr Drama einfließen können. Sie wirkte eigentlich das ganze Buch über recht gefasst - selbst die Wendung verstört sie zwar, jedoch wird auch hier wieder übersprungen. Große Gefühlsausbrüche fehlen komplett. Weder im schlimmen noch im romantischen Sinne.
Dazu muss ich leider sagen, dass es im ganzen Buch keine Überraschungen gab. Bei New Adult kann Vorhersehbarkeit schon mal vorkommen, bei "An Ocean Between Us" allerdings wusste ich genau, wie die Geschichte weitergehen würde bzw. welches "große" Geheimnis das Problem im Buch ist. Womit ich persönlich wiederum ein Problem habe.

Die Charaktere:
Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber die Personen haben sich in meinen Augen oftmals widersprüchlich verhalten. Vor allem Avery wirkte nicht so deprimiert (weder am Anfang noch kurz vor Ende) oder perspektivenlos, wie ich die natürliche Reaktion eingeschätzt hätte. Die Zeitsprünge machen ihre Wandlung zunichte. Dazu kommt, dass ihre Verletzung zwar erwähnt wird, aber so richtig schlimm, wie man es erwartet, nachdem sogar ihr Ballett-Traum daran zerplatzt, würde ich es anhand der wenigen Schmerzen und Averys Aktivitäten nicht einschätzen.
Bei Theo schwankte ich immer zwischen Sympathie und Antipathie. Seine Entscheidungen waren manchmal nachvollziehbar, manchmal nicht. Er verhielt sich oft verantwortungslos, was mich überhaupt nicht anspricht.
Die Nebenfiguren, z.B. Lizzie, waren mir hier (wieder mal) sympathischer als die beiden Protagonisten.

Der Schreibstil:
Anfangs dachte ich noch, dass es ein schöner Schreibstil ist. Ich bin auch immer noch der Meinung, dass er gut ist. Je weiter ich jedoch gekommen bin, desto mehr fiel mir die Einfachheit auf. Bei der wörtlichen Rede tauchten sehr viele Verben auf, wie jemand etwas sagt - zugehörige Handlung oder Gedanken hin oder her. Die Sprache ist auch sehr simpel, ohne viele Schnörkel und Poetik. Ich brauche das normalerweise nicht in Büchern, in "An Ocean Between Us" hat es mir etwas gefehlt, da dadurch auch mehr Emotionen transportiert werden können. Bei mir kamm jedoch nicht wirklich viel an. Kein Schmerz, keine Trauer, keine Wut. Und noch schlimmer: keine tiefgehende Liebe.

Mein Fazit:
Hätte man den Schreibstil noch etwas ausgebaut, hätte ich vielleicht etwas mehr über die restlichen Punkte hinwegsehen können. Dann wären mir wahrscheinlich die Hauptfiguren auch sympathischer gewesen. So muss ich allerdings sagen, dass mich der Roman nicht überzeugen konnte. Alles war zu flach und vorhersehbar.
Für jemanden, der als Leser neu ins New-Adult-Genre einsteigen will, ist "An Ocean Between Us" perfekt. Grundsolides, prototypisches New Adult wird hier praktiziert. Für jemanden wie mich, der inzwischen schon diverse New-Adult-Bücher gelesen hat, reicht das nicht mehr. Es gibt deutlich stärkere Romane in diesem Genre. Also leider ein persönlicher Fehlgriff.

Sabrina S. Says:

(eigentlich 2,5, hier aufgerundet auf 3)



                                                                                 

Erschienen bei Droemer Knaur
Erscheinungsdatum: 01.09.2020

ISBN: 978-3-426-52614-9
Klappenbroschur, 352 Seiten

Preis 12,99 € (D) 

Auch als E-Book erhältlich

 Bestellbar unter anderem bei Droemer Knaur

                                                                                

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von Knaur zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 4. August 2020

Rezension "Sommer der Wahrheit" von Nele Neuhaus

(c) ullstein
Sheridan Grant ist 15 Jahre alt, als sie das erste Mal verhaftet wird. In einem kleinen Städtchen in Nebraska, wo jeder jeden kennt, nicht gerade das Beste für den Ruf der Familie. Und dabei hat sie sowieso schon einen schweren Stand als adoptiertes Kind der angesehenen Grant-Familie.
In der sie sich nie wirklich zu Hause gefühlt hat. Ihr Vater ist fast nie zu Hause, ihre Brüder kümmern sich nur sporadisch um sie und ihre Mutter scheint sie ohnehin zu hassen.
Darum bleibt Sheridan nichts anderes übrig, als sich mit sich selbst zu beschäftigen. Oder mit den unterschiedlichsten Männern, die in ihr Leben treten - und wieder daraus verschwinden. Wie soll sie nur jemals herausfinden, wer wirklich zu ihr passt? Und wie kann sie ihren Traum von der Musik wahrmachen?


Die Geschichte:
Ich war mir am Anfang nicht sicher, was ich von der Geschichte erwarten sollte. Ein junges Mädchen auf dem Land, in den USA der 90er-Jahre. So ganz anders als die Leute um sie herum. Ständig in Schwierigkeiten, manchmal absichtlich, manchmal nicht. Es war wirklich eine Geschichte, wie man es am besten nicht macht. Als jemand, der sich selbst lieber anpasst, um nicht zu viele Schwierigkeiten zu bekommen, kam ich nicht gut mit all dieser Rebellion klar. Abgesehen davon ist wirklich eine Menge passiert und es war schwierig, den Überblick zu behalten, wie viel Zeit vergangen ist.
Das Spannendste an dem Buch war eigentlich die Hintergrundgeschichte rund um Sheridans wahre Eltern und was die mit ihrer jetzigen Familie zu tun haben. Darauf hätte meines Erachtens viel mehr der Fokus liegen sollen als auf Sheridans sehr wechselhaften Schwärmereien und "Beziehungen".
Es ist in dem Buch einfach zu viel zusammengekommen, zu viel passiert. Und nichts hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Die Charaktere:
Ich glaube, ich hatte selten mit einer Erzählerin zu tun, die mir so unsympathisch war. Klar, Sheridan ist noch jung und da spielen die Gefühle und Hormone verrückt. Aber sie konnte sich wirklich auf nichts festlegen. Ihr Traum von der Musik war auch eher so Nebensache. Immer nur waren ihr gefühlt die Männer wichtig - deren feuchter Traum sie auch war. Wirklich, es stand irgendwie jeder Mann, der nicht mit ihr verwandt war (na ja, vielleicht war nicht mal das ein Hindernis) auf sie. Dass sie so jung ist, war immer ein Thema, jedoch nie ein wirkliches Hindernis. Es war einfach zu viel Liebesdrama, als dass man richtige Sympathie für Sheridan oder einen der Männer entwickeln konnte.
Außerdem waren die sowieso viel zu schnell wieder weg. Ein zu wechselndes Ensemble stört mich persönlich auch, da man keine Verbindungen mit den Figuren eingehen kann.
Die Einzigen, die ich wirklich mochte in dem Buch, waren Sheridans Brüder (ausgenommen Esra).

Der Schreibstil:
Mir war der Stil viel zu sachlich, viel zu sehr auf den Punkt. Es waren Aussagen, die wurden als selbstverständlich hingenommen. Gefühlsmäßig kam kaum etwas rüber. Sherdian findet den einen Mann so anziehend, dass sie mit ihm schlafen möchte. Okay. Sheridan fühlt eine merkwürdige Anziehung zu einem Mann, den sie kaum kennt und erst recht nicht leiden kann. Dabei weiß man als Leser kaum, wie dieser Mann aussieht. Er ist auf einmal da, er findet Sheridan attraktiv und interessant und schon ... na ja, den Rest kann man sich fast denken.
Es glich mehr einem Bericht als einem spannenden Roman. Hier stand eindeutig mehr die nüchterne Realität im Vordergrund als die Entwicklung der Hauptfigur.

Mein Fazit:
Obwohl ich schon wissen wollte, wie es weitergeht bzw. endet, konnte mich das Buch nicht wirklich überzeugen. Es schoss komplett an meiner favorisierten Erzählweise vorbei. Jugendbücher haben teilweise mehr Tiefe als dieser belletristische Roman. Fast würde ich sagen, ich bin mit 26 Jahren noch zu jung, um "Sommer der Wahrheit" wertschätzen zu können - obwohl die Hauptfigur im Teenageralter ist. Es war mir einfach zu abgestumpft. Auf eine merkwürdige Weise grausam und dennoch appellierte es nicht an mein Empathieempfinden.
Insgesamt gesehen mag der Roman vielleicht nicht schlecht sein. Nele Neuhaus schreibt auf ihre eigene Weise gut. Wegen meines persönlichen Buchgeschmacks kann ich der Geschichte allerdings nur eine solide Bewertung geben.

Sabrina S. Says:





                                                                                

Erschienen bei Ullstein
Erscheinungsdatum: 3.8.2020

Dieser Roman erschien bereits mit dem gleichen Titel unter dem offenen Pseudonym Nele Löwenberg im Jahr 2014 (zur Originalausgabe).

ISBN: 9783548062518
Klappenbroschur, 512 Seiten

Preis 11,99 € (D) 

Auch als E-Book erhältlich

Bestellbar unter anderem bei Ullstein

                                                                                 

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von Ullstein zur Verfügung gestellt.

Rezension "Lia Sturmgold - Die Macht der Kristalle" von Aniela Ley

(c) dtv
Als Lia auf einmal im Körper der Elfenprinzessin Asalia aufwacht, ist sie nicht gerade begeistert. Um den Zauber rückgängig zu machen und ihr eigenes Leben wiederzubekommen, das Asalia in vollen Zügen genießen möchte, bleibt Lia nichts anderes übrig: Sie muss in die Welt der Elfen und damit aufs Internat Springwasser, um die magischen Kristalle zu finden.
In der stetigen Angst, nicht aufzufliegen, gelingt es Lia kaum, sich in der Elfenwelt zurechtzufinden. Doch dann lernt sie drei andere Elfen kennen und deckt zusammen mit ihren Freundinnen das ein oder andere Geheimnis auf. Und dann droht auch noch jemand, ihre Identität preiszugeben - was soll Lia jetzt tun?



Die Geschichte:
Es ist eine total süße Geschichte rund um Lia, die eigentlich nichts mit fantastischen Dingen zu tun hat. Sie wollte eigentlich nur in das beste Hockey-Team ihrer Stadt - und muss stattdessen Elfenprinzessin spielen. Dass hier das Chaos vorprogrammiert ist, ist ja logisch. Aber es ist wirklich liebenswert zu lesen, wie Lia mit allem umgeht. Vor allem auch mit ihren neuen Freundinnen. Dass sie ihr Geheimnis wahren muss, ist natürlich schwierig. Man glaubt des Öfteren, jetzt müsste sie auffliegen. Und dass sie nicht die Einzige mit Geheimnissen ist, erhöht die Spannung.
Dazu kommt eine wirklich sehr schön und detailreich gestaltete Welt - wenn man auch des Öfteren durcheinander kommen kann mit all den unterschiedlichen Elfen und magischen Angelegenheiten. Für Kinder ab 10 Jahren vielleicht etwas zu verwirrend.

Die Charaktere:
Lia als Hauptfigur ist total passend. Man versteht, dass sie so schnell wie möglich in ihr altes Leben zurückwill. Gleichzeitig jedoch auch ihre späteren Entscheidungen. Außerdem hat sie einfach dieses Charisma, trotz ihrer Unsicherheit. Es ist schwer, sie nicht sympathisch zu finden. Meiner Meinung nach ein gutes Vorbild für Kinder.
Auch die anderen Figuren sind authentisch und liebenswert. Lias neue Freundinnen ergänzen sie wirklich gut.
Mein geheimer kleiner Favorit war aber Dorient. Asalias älterer Bruder, der Lia (gezwungenermaßen?) beschützen muss, damit das Geheimnis nicht ans Licht kommt. Es war toll, wie er mit Lia umgegangen und für sie eingetreten ist.

Der Schreibstil:
Der Stil ist auf jeden Fall ausgereift, nicht mehr so ganz kindlich. Es wird sehr viel beschrieben, sich mit vielen Details beschäftigt. Einerseits ist das gut für das Buch, andererseits weiß ich nicht genau, ob es für die Zielgruppe zu hundert Prozent passt. Für fleißige, interessierte und aufmerksame junge Leser würde ich es aber auf jeden Fall empfehlen.

Mein Fazit:
"Lia Sturmgold" ist meiner Meinung nach ein gutes Buch, um in das Fantasy-Genre einzusteigen. Es gibt schon kleine Hinweise darauf, wie komplex solch eine fantastische Welt sein kann, ist aber noch verständlich. Die Figuren führen super durch die Geschichte hindurch und bieten sehr viele positive Anregungen.
Lustigerweise hat es mich auch ein kleines bisschen an die ersten Bände von "Harry Potter" erinnert, nur für Mädchen und noch jüngere Leser. Natürlich ist "Lia Sturmgold" noch nicht so sehr ausgereift, um im Vergleich zu bestehen. Aber für Leserinnen, die für "Harry Potter" noch zu jung sind, könnte ich mir vorstellen, dass es ein Tipp werden könnte.
Ich jedenfalls bin mehr als doppelt so alt wie die Zielgruppe und muss trotzdem unbedingt wissen, wie die Geschichte weitergeht!

Sabrina S. Says:





                                                                                

Erschienen bei dtv
Erscheinungsdatum: 24.7.2020

ISBN: 978-3-423-76307-3
Hardcover, 214 Seiten

Preis 14,95 € (D)

Auch als E-Book und Hörbuch erhältlich

Bestellbar unter anderem bei dtv

                                                                                  

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von dtv zur Verfügung gestellt.

Donnerstag, 23. Juli 2020

Rezension "Der Fahrer" von Andreas Winkelmann

(c) Rowohlt Verlag
Als in Hamburg eine junge Frau verschwindet, werden Jens Kerner und seine Kollegen auf den Plan gerufen. Der Täter hinterlässt nicht nur fast zu eindeutige Spuren, sondern vor allem den Hashtag #findemich. Sowohl in den sozialen Netzwerken als auch im realen Leben beginnt eine Verfolgungsjagd durch die Straßen der Stadt - die kaum glimpflich zu enden vermag.
Als weitere Frauen verschwinden und alles auf eine Verbindung zu Jens' Vergangenheit hindeutet, wird die Lage immer dramatischer. Nicht einmal Rebecca geklingt es, zu ihm durchzudringen. Und dann tauchen überall in der Stadt weitere Hashtagmarkierungen auf - wer wird sein nächstes Opfer? Und was hat das alles mit dem neuen Fahrdienst MyDriver zu tun?


Die Geschichte:
Die Thematik mit dem Fahrdienst fand ich insgesamt schon mal sehr beunruhigend. Junge Frauen, die insbesondere nach durchzechten Nächten in per App gebuchte Kleinbusse einsteigen, um nach Hause zu gelangen? Da muss ja etwas schiefgehen. In Kombination mit der Instagram-Thematik muss ich sagen, dass es einen schon nachdenklich macht, was das Internet und insbesondere Social Media über die Identität einer Person verraten kann. Andreas Winkelmann hat hier wirklich gut mehrere Bedrohungen verflochten.
Die Hinweise auf Jens' Vergangenheit fand ich auch sehr spannend, ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Fährten. Man musste immer miträtseln, wer es sein könnte - oder warum nicht. Man konnte es einfach nicht herausbekommen - aus gutem Grund. (Achtung! Spoiler folgt im Punkt "Mein Fazit").

Die Charaktere:
Die meisten Charaktere kannte ich schon aus "Die Lieferung". Wobei dieses Mal der Fokus stark auf Jens gelegen hat. Was ich einerseits gut fand, da man mehr über ihn und seinen Charakter erfährt. Andererseits kam dadurch vor allem Rebecca zu kurz.
Was ich jedoch als positiv empfinde, ist, dass scheinbar in jedem der bisher erschienen Bände (über "Das Haus der Mädchen" kann ich nichts sagen, aber ich nehme an, dort ist es genauso) eine Hauptfigur in das Verbrechen hineingezogen wird. Das macht es noch einmal dramatischer. (Wobei ich bei so etwas immer damit rechne, dass die Person überlebt.)

Der Schreibstil:
Ich finde Winkelmanns Schreibstil nicht zu plump oder detailliert, wie es bei Thrillern schon mal vorkommen kann. Er bringt alles meiner Meinung nach auf den Punkt, die Gefühle der Figuren auch. Da könnte man eventuell noch etwas ins Detail gehen, aber da die Bücher sowohl auf ein weibliches als auch auf ein männliches Publikum ausgelegt sind, kann ich es so durchgehen lassen.
Auf den Schluss zu fand ich jedoch, dass es etwas zu verwirrend geworden ist. Da gingen die Erklärungen und gezogenen Schlüsse sehr schnell. Hier hätte man trotz der Eile im Buch noch etwas ausschweifender erklären können, ich musste zweimal drüberlesen, um alles einigermaßen rekapitulieren zu können.

Mein Fazit:
Noch einmal: Achtung, Spoiler!
Insgesamt war der Thriller gut zu lesen und hatte eine spannende Geschichte. Ein grundsolides Spannungswerk, das man Krimi- und Thriller-Autoren empfehlen kann. Die Thematiken sind auch sehr aktuell, wodurch natürlich eine Art Warnung und Lehre darinsteckt. Ich fand jedoch nicht, dass es belehrend wirkte, sondern wirklich eher wie ein Hinweis an die Leser.
Und jetzt kommt der große Störfaktor für mich: Ich mag am liebsten Thriller, in denen man etwas über den Täter lernt. In denen er eventuell mal verdächtigt wurde oder eben auch gar nicht. Aber in "Der Fahrer" konnte ich zu lange nichts mit dem Täter anfangen. Seine Motive wurden am Schluss schnell abgehandelt, genauso wie die Person an sich. Deren Namen ich mir am Ende nicht mal merken konnte. Er war ein Bestandteil des Buches - und auch wieder nicht. Das fand ich merkwürdig und hat mich eher genervt.
Leider hat mir das auch meine zuerst positiv gestimmte Meinung über das Buch verhagelt.

Sabrina S. Says:





                                                                                  

Erschienen bei Rowohlt
Erscheinungsdatum: 16.06.2020

ISBN: 978-3-644-00308-8
Taschenbuch, 416 Seiten

Preis Taschenbuch: 10,00 € (D)
Preis E-Book: 8,99 € (D)

Auch als E-Book erhältlich

Bestellbar unter anderem bei Rowohlt

                                                                                 

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise vom Rowohlt Verlag über Netgalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Donnerstag, 9. Juli 2020

Rezension "Cyber Trips" von Marie Graßhoff

(c) Bastei Lübbe
Im Jahr 2101 herrscht eigentlich Frieden auf der Welt. Abgesehen von einem technischen Virus namens KAMI, das die Menschheit bedroht. Und das schlimmer denn je, nachdem die Machthabenden den Kampf dagegen verschärft haben.
Doch die Bemühungen scheinen umsonst, denn KAMI entwickelt zunehmend eine eigene Persönlichkeit - und trifft eigene Entscheidungen, die das Schicksal der Erde für immer verändern könnten.
Nur ein paar wenige Menschen versuchen statt eines Heilmittels eine Lösung zu finden. KAMI zu verstehen, anstatt zu flüchten - oder zu kämpfen. Unter ihnen befindet sich auch Andra, die wegen ihrer Herkunft einen anderen Blick auf die Situation hat. Und vielleicht sogar den entscheidenden Instinkt, um die Welt vor dem Schlimmsten zu bewahren.


Die Geschichte:
Vorab: "Cyber Trips" ist der zweite Band der Science-Fiction-Trilogie von Marie Graßhoff! Die Geschichte begann bereits in "Neon Birds", wodurch man die Welt und die Charaktere kennenlernte. Hier passierte zwar auch schon einiges, aber es wirkte wirklich eher wie eine Hinführung zu den Ereignissen im zweiten Teil. Was ich sehr außergewöhnlich finde, denn meistens versuchen Autoren, in den ersten Band viel Spannung reinzulegen, um in der Fortsetzung etwas Ruhe hineinzubringen und aufs Finale hinzuführen. Marie Graßhoff steigert jedoch in "Cyber Trips" die Spannung immer weiter, bis man das Gefühl hat, gleich kommt es zum finalen Showdown. Was natürlich nicht der Fall ist, doch man will unbedingt wissen, was mit den Figuren passiert, ob sie alle überleben. Und vor allem, ob oder wann sie alle aufeinandertreffen. Es ist ein Kampf an vielen Fronten, bei dem man einfach mitfiebern muss.
Allerdings entsteht dadurch auch ein kleines Wirrwarr an Ortswechseln. Durch die Cyber Trips, mit denen man an alle möglichen Orte reisen kann, muss man eben erst mal gucken, wer gerade wo ist und mit wem. Das war ein klein wenig verwirrend.

Die Charaktere:
Die Figuren wirken allesamt sehr lebendig und unterschiedlich in dem immer größer werdenden Figurenensemble. Tatsächlich haben sie auch alle hervorstechende Eigenschaften, die sie zu guten Teams machen. Ich muss zugeben, ein Liebling hat sich bei mir nicht herauskristallisiert. Wahrscheinlich weil sie alle einen zu ähnlichen Klang hatten (mehr dazu in "Der Schreibstil").
Trotzdem finde ich, dass vor allem die Erzähler gut passen. Insbesondere hat mich Byth überrascht, die ich von Anfang an undurchschaubar, aber interessant fand. Und obwohl ich normalerweise die außergewöhnlichen, neuen Beziehungen shippe, fand ich es irgendwie immer schade, dass sie und Okijen kein Paar mehr waren.
Die neue und einzige Liebesgeschichte, die bis jetzt offenbart wurde, war mir darüber hinaus ein bisschen zu dürftig. Hier fehlten mir nachvollziehbare Gefühle. Aber wahrscheinlich bin ich es aus dem Jugendbuch- und New-Adult-Bereich einfach zu sehr gewohnt, dass das mehr in die Tiefe geht. Vorwerfen kann man es der Autorin also nicht, das liegt mehr an meinem persönlichen Geschmack.

Der Schreibstil:
Wie bereits angedeutet, hatte ich das Problem, dass mir die Charaktere von ihrer Ausdrucksweise zu ähnlich klangen. Wenn man mehrere Perspektiven hat, ist es unvermeidlich, dass man in einen neutraleren Stil verfällt (weiß ich aus Erfahrung). Trotzdem hätte man hier vielleicht noch etwas nachbessern können, um die Eigenschaften der Figuren durch ihre Erzähl-/Denk-/Sprechart noch etwas mehr zu unterscheiden. Andra fällt hier als Einziges raus, denn bei ihr wurde mehr Wert auf ihre Andersartigkeit gelegt.
Ansonsten ist der Schreibstil angenehm und bildhaft. Normalerweise mag ich es nicht zu sehr, wenn viel ausgeschmückt wird, aber hier war eine gute Mischung vorhanden.

Mein Fazit:
Ich glaube, "Cyber Trips" hat mir noch besser gefallen als "Neon Birds", jedoch nur einen Hauch. Einfach, weil hier noch mehr passiert ist, es gab endlich eine Art roter Faden, der in Band 1 noch etwas undurchsichtig war. Es hat mich außerdem vor allem in Richtung Ende ein wenig an Manga-/Animeplots  erinnert. Durch die unterschiedlichen Kämpfe, die unterschiedlichen Teams und das erhoffte Aufeinandertreffen der Figuren - und mit KAMI.
Trotz kleiner Mankos konnte mich "Cyber Trips" überzeugen und ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte im September mit "Beta Hearts" enden wird. Denn bis jetzt habe ich noch keine Ahnung, wie das alles aufgelöst werden soll.

Sabrina S. Says:





                                                                                  

Erschienen bei Bastei Lübbe
Erscheinungsdatum: 29.05.2020

ISBN: 978-3-404-20967-5
Paperback, 445 Seiten

Preis Paperback: 15,00 € (D)
Preis E-Book: 9,99 € (D)

Auch als E-Book und Hörbuch-Download erhältlich

Bestellbar unter anderem bei Bastei Lübbe

                                                                                 

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise von Bastei Lübbe über Netgalley als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Montag, 1. Juni 2020

Rezension "Pretty Dead - Wenn zwei sich lieben, stirbt die Dritte" von Stefanie Hasse

(c) Ravensburger

Sarah ist das beliebteste Mädchen der Fairchild Academy - doch der perfekte Schein trügt. Kurz nach ihrer Wahl zur Ballkönigin bricht sie tot zusammen. Wer könnte ein Motiv für ihren Mord gehabt haben?
Jeder in ihrem Umfeld scheint etwas zu verbergen, doch allen voran ihr Freund Chase und ihre beste Freundin Brooke tragen eine große Last mit sich herum: ihre Gefühle füreinander.
Aber auch Sarahs Stiefbruder Devin, ihr Kumpel Jam und ihre erklärte Feindin Piper stecken in einem Haufen Geheimnisse fest. Welches könnte so groß gewesen sein, dass Sarah sterben musste? Und wer wird für seine Vergehen büßen?


Die Geschichte:
Die Idee mit dem bösen beliebten Mädchen ist nicht unbedingt neu, jedoch ist es interessant, wie Stefanie Hasse die Handlungsfäden darum herum gesponnen hat. Die Geheimnisse der Charaktere kommen nicht zu schnell und nicht zu spät ans Licht, wobei man sich manches schon denken kann. Anderes hingegen überrrascht dann doch, vor allem zum Ende hin. Was mir ein wenig gefehlt hat, waren die großen Verdächtigungen. Hier und da kam mal kurz eine auf, die dann realtiv schnell jedoch wieder fallen gelassen werden musste. Und die Polizei ermittelt gefühlt auch gar nicht gegen die Personen in Sarahs Umfeld, die meisten werden nicht mal aktiv in der Handlung befragt. Da hätte man noch etwas mehr Dramatik einfügen können.

Die Charaktere:
Jeder Charakter bleibt in seiner Rolle. Diese wurde ihm schon auf dem Umschlag des Buches zugewiesen und daran ändert sich auch nichts. Dadurch fehlte mir ein wenig die Dreidimensionalität der Figuren. Man erfährt zwar noch einiges über ihre Hintergründe und ihre Geheimnisse, aber so richtig besonders waren sie nicht. Vor allem muss ich zugeben, dass Brooke und Chase mich beide irgendwann genervt haben, weil sie einfach so sehr darauf herumgeritten sind, nicht zusammen sein zu können - und es irgendwie doch waren. Außerdem wirkte keiner von ihnen super betroffen vom Tod ihrer Freundin. Selbst wenn die sich verändert und dieser eine große Vorfall Spuren hinterlassen hat, ich hätte etwas mehr Schock und Betroffenheit erwartet.
Am besten fand ich hier eigentlich noch Devin, der am meisten Menschlichkeit zeigt. Oder Piper, die mit ihrem Verhalten wenigstens noch Fragen aufwirft und an der eine Wandlung zu erkennen ist.

Der Schreibstil:
Steffis Schreibstil bleibt natürlich gewohnt gut zu lesen. Flüssig, leicht verständlich, man fliegt geradezu durch das Buch. Es kommen auch Emotionen herüber, obwohl den Figuren etwas fehlt. Ich hätte mir nur etwas mehr unterschiedliche Perspektiven gewünscht, vor allem zum Ende hin wechselte fast nichts mehr. Jams Sicht hätte man quasi komplett rauslassen können, dann wäre er zumindest auch etwas überraschender als Figur. Oder man hätte Pipers noch hinzufügen können, die dadurch fast etwas zu kurz kommt, obwohl sie eine Protagonistin ist.

Mein Fazit:
Leider muss ich sagen, dass "Pretty Dead" nicht so überzeugend war wie manch anderer Roman der Autorin. Es gab gute Ansätze und auch überraschende Wendungen. Aber das Buch wirkte eher so 75% ausgearbeitet, mir fehlte das letzte Quäntchen an gefühlt allem. Vor allem Dramatik und Identifzierbarkeit mit den Figuren waren nicht genügend vorhanden.
Für Jugendthriller-Einsteiger gut geeignet, genauso wie für die Zielgruppe ab 14 Jahren. Aber für mich nicht ausgereift genug für eine Top-Bewertung.

Sabrina S. Says:

 (eigentlich 3,5 Bücherstapel)



                                                                                

Erschienen beim Ravensburger Buchverlag
Erscheinungsdatum: 29.5.2020

ISBN: 978-3-473-40195-6
Hardcover, 384 Seiten

Preis: 16,99 € (D)

Auch als E-Book erhältlich 

Bestellbar unter anderem bei geniallokal
                                                                                 

Danke an den Ravensburger Buchverlag für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 21. Mai 2020

Rezension "Verity" von Colleen Hoover

https://www.dtv.de/buch/colleen-hoover-verity-23012/
(c) dtv
Als der Erfolg ihrer Bücher ausbleibt, droht Lowen das Schicksal, aus ihrer Wohnung geworfen zu werden. In der sie eigentlich ohnehin nicht bleiben möchte, da schlimme Erinnerungen damit verknüpft sind.
Da kommt das Angebot eines großen Verlags gerade recht: Sie soll die Buchreihe der Bestseller-Autorin Verity Crawford zu Ende schreiben, da diese nach einem Unfall nicht mehr dazu imstande ist.
Um alle Unterlagen zu sichten, bietet Veritys Ehemann Jeremy Lowen an, vorerst bei ihnen unterzukommen. Doch je länger sie bei der Familie ist, die mit so vielen Schicksalsschlägen zu kämpfen hat, desto mehr Geheimnisse entdeckt sie. Und die meisten davon sind nicht nur schockierend, sondern mit dem Tod verbunden ...


Die Geschichte:
Wenn man so viel Positives über ein Buch hört, geht man mit einer gewissen Vorsicht heran. Dabei war ich mir sicher, dass mich Colleen Hoover nicht enttäuschen wird. Was auch nicht passierte. Wie all die Handlungsstränge und Gefühle miteinander verflochten sind, wie sich alles entwickelt - es war glaubhaft und dramatisch zugleich. Ich hatte keinen Moment das Gefühl, es wäre zu unrealistisch, zu sehr aufgebauscht für ein Buch. Auch die Mischung aus belletristischem Roman, Liebesgeschichte und Thriller war gut gemacht. Ich hatte zudem wirklich gehofft, dass am Ende noch der große Clue kommt, wie es für Thriller meist typisch ist. Was glücklicherweise der Fall war. Colleen Hoover weiß einfach, wie man Geschichten aufbaut und Leser bis zum Ende fesselt.

Die Charaktere:
Ich mochte die Figuren. Und ich fand sie realistisch gestaltet. Ich dachte allerdings, sie würden mich noch etwas mehr überraschen. Ich bin wahrscheinlich mit zu viel Thriller-Erwartung herangegangen, wo die Protagonisten einen auch oft sprachlos zurücklassen, weil man etwas nicht von ihnen erwartet hat.
Die einzig wirkliche Überraschung war hier Verity. Bei der man bis zur letzten Seite nicht weiß, wer sie wirklich ist. Das hat die Autorin geschickt eingefädelt.
Jeremy war als Mann und Love Interest sehr passend. Auch sehr dreidimensional. Aber irgendwas hat mir bei ihm gefehlt, sodass ich mich nicht mit Lowen in ihn verliebt habe. Ich kann es nicht genau beschreiben, tendenziell würde ich allerdings sagen, er war mir zu perfekt.

Der Schreibstil:
Muss ich dazu noch großartig etwas sagen nach den Lobeshymnen weiter oben? Colleen Hoover hat eine einfache und dennoch flüssige und packende Art, durch ihre Geschichten zu führen. Man fühlt mit, man leidet mit. Man wird überrascht, die Spannung wird in richtigem Maße aufrechterhalten. Hier gibt es fast nichts zu mäkeln.
Ich würde sogar so weit gehen, dass Colleen Hoover für mich einen der besten Schreibstile hat, die ich kenne.

Mein Fazit:
Mit "Verity" kommt die Autorin sehr dicht an meinen Favoriten "Nur noch ein einziges Mal" (hier geht es zu meiner Rezension) heran. Ich finde, sie hat den Bogen raus, Romane mit Thriller-Elementen zu mischen. Sie mit Drama zu spicken, aber nicht übertrieben wirken zu lassen. Trotz der sehr außergewöhnlichen Situation in "Verity" erschafft sie eine Realität, wie sie wirklich aussehen könnte. Und dazu die Wendung am Schluss ... Auch wenn ich nicht zu 100 Prozent erstaunt war, sie lässt einen zugleich befriedigt und unbefriedigt zurück. Eigentlich das perfekte Ende.

Sabrina S. Says:


(Tendenz eher 4,5, aber auf 5 Bücherstapel aufgerundet)


                                                                                

Erschienen bei bold (dtv Verlag)
Erscheinungsdatum: 13.3.2020

ISBN: 978-3-423-23012-4
Klappenbroschur, 368 Seiten

Preis 14,90 € (D)

Auch als E-Book erhältlich

Originaltitel: Verity

Bestellbar unter anderem bei bold/dtv

                                                                                  

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von bold (dtv) zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 17. Mai 2020

Rezension "Promised" von Kiera Cass

https://www.fischerverlage.de/buch/kiera_cass_promised/9783737350976
(c) Fischer Sauerländer

Hollis ist die Favoritin des Königs von Coroa. Ihrer Familie nach ist es ihr bestimmt, Königin zu werden. Und darauf arbeitet sie hin. Es gäbe auch deutlich schlimmere Schicksale, als Jamesons Frau zu werden.
Wie das der Familie Eastoffe, die aus dem Nachbarland Isolte flüchten musste und nun Unterschlupf in Coroa sucht. Silas, der älteste Sohn mit den strahlend blauen Augen zieht Hollis sofort in seinen Bann. Und plötzlich zweifelt sie daran, ob ihr vorgegebener Weg der richtige ist ...


Vorsicht, die Rezension könnte angedeutete Spoiler enthalten!


Die Geschichte:
Ich hatte mich auf eine Dreiecksgeschichte wie in "Selection" gefreut - und wurde enttäuscht. Nur kurz steckt Hollis in einer kniffligen Liebessituation fest, die ich absolut nicht nachvollziehbar fand. Zwischen dem Fremden, der nur ein paar Worte und ein Paar blaue Augen braucht, damit sie ihr Leben umkrempelt. Der König, der auf einmal doch nicht mehr so liebenswert ist wegen einer Entscheidung. Dabei war sie am Anfang des Buches komplett von ihm überzeugt. Wieso, erfährt man kaum, weil man mitten in die Handlung hineingeworfen wird und alles als selbstverständlich gilt.
Dazu kommen die viel zu lasch gelösten Konflikte. Als wollte die Autorin alles möglichst harmonisch darstellen, möglichst märchenhaft - bis zum großen Knall. Dieser hatte zwar tatsächlich eine große und gute Wirkung, kann aber die fehlenden Emotionen und Sympathien von zuvor nicht wettmachen.

Die Charaktere:
Ich habe noch nie einen wankelmütigeren Charakter gesehen als Hollis. Klar, wenn die Familie einem den Weg vorbestimmt hat, ist man selbst oft nicht komplett davon überzeugt. Aber sie wirkte so, als wollte sie wirklich Jameson heiraten und auf den Thron. Bis Silas kam. Und schon wurde jede ihrer Ambitionen über den Haufen geworfen. Sie wollte gar nicht mehr ihr Reich an erste Stelle setzen, obwohl sie doch mitbekommen haben muss, dass sie eine gute Königin geworden wäre. Stattdessen will sie auf einmal etwas, das zuvor nie zur Sprache kam. Es ist, als wäre sie ein naives Kind, das ein Abenteuer möchte - und nicht den anderen Mann.
Sowohl Silas als auch Jameson waren mir ebenso wenig sympathisch. Silas hat einfach immer das Richtige gesagt und hat richtig gut ausgesehen. Persönlichkeit fehlte ihm komplett.
Jameson mochte ich von Anfang an eigentlich lieber, weil er zur Abwechslung mal ein guter König ist, der nicht gestürzt werden muss. Durch Hollis' Sicht wirkte er jedoch zunehmend unattraktiver. Was ich nicht nachvollziehen konnte. Hätte er nach der ersten größeren Wende schlecht reagiert, hätte ich die Entwicklungen vielleicht noch eher nachvollziehen können. Aber prinzipiell konnte ich nur schwer verstehen, warum Hollis es nicht mal in Erwägung gezogen hat, bei ihm zu bleiben.
Insgesamt hatten die Nebenfiguren wie Delia Grace oder Hollis' Eltern mehr Charakter als die Protagonisten.

Der Schreibstil:
Als ich "Selection" gelesen habe, war ich noch deutlich jünger, sodass mir der einfache Schreibstil von Kiera Cass gut gefallen hat. Er vermittelte in der Reihe auch mehr Emotionen (wenn auch kein Übermaß). In "Promised" jedoch kam überhaupt nichts rüber. Es fehlten mehr innere Monologe, damit man Hollis' Entscheidungen, ihre Wünsche und ihr Umdenken nachvollziehen kann.
Außerdem war die Welt als gegeben vorausgesetzt. Man bekam kaum Hintergrundinformationen, wie das mit dem Königshof läuft. Irgendwie wohnen einfach alle da. Und der König pickt sich irgendwann eine Frau aus den adeligen Damen heraus. Und die Beziehung zu Isolte ist kompliziert. Fertig. Und eindeutig zu wenig.

Mein Fazit:
Meine Erwartungen waren auf jeden Fall zu hoch angesetzt. Das Buch wirkte eher wie ein unausgereiftes Debüt. Ich weiß nicht, ob ich die "Selection"-Reihe gelesen hätte, wenn sie nach "Promised" erschienen wäre.
Es tut mir in der Seele weh, das Buch schlecht bewerten zu müssen. Aber je mehr ich darüber schreibe oder rede, desto klarer wird mir, dass es unfair wäre, eine mittelmäßige Bewertung zu vergeben, wenn es so viele Mankos gab. Egal, ob "Promised" von Kiera Cass geschrieben worden ist. Egal, ob es bei einem großen Verlag veröffentlicht wurde. (Der ja nur die Lizenz gekauft hat und mit dem Inhalt des Buches abgesehen von der Übersetzung ja nichts zu tun hatte. Und den dadurch keine Schuld trifft.)
Ich finde jedenfalls, das ganze Buch war zu wenig von allem. Die überraschend gute Wendung am Ende macht noch ein bisschen was gut - ich habe jedoch das dumpfe Gefühl, in Band 2 wird die Autorin das wieder zerstören. Weil sie lieber das Märchenhafte hat als das Dramatische, das Komplizierte. Aber das werde ich wohl erst im Frühjahr 2021 erfahren.

Sabrina S. Says:




                                                                                

Erschienen bei Fischer Sauerländer
Erscheinungsdatum: 7.5.2020

ISBN: 978-3-7373-5097-6
Hardover, 368 Seiten

Preis Hardcover: 17,00 €
Preis E-Book: 9,99 €

Auch als E-Book erhältlich

Originaltitel: The Betrothed

Bestellbar unter anderem bei Fischer

                                                                                

Samstag, 9. Mai 2020

Rezension "Star Crossed - Silberblut" von Alexandra Stückler-Wede


https://www.thienemann-esslinger.de/planet/buecher/buchdetailseite/stars-crossed-isbn-978-3-522-65452-4/
(c) Thienemann-Esslinger

Als Kenna das erste Mal auf den geheimnisvollen Caster trifft, spürt sie sofort eine merkwürdige Verbindung zu ihm. Welche sie weder erklären noch zulassen kann - schließlich hat sie schlimme Erfahrungen damit gemacht, sich in einen Menschen zu verlieben.
Denn Kenna ist eine Erua, ein Silberblut, und stammt von dem sterbenden Planeten Aureon. Zusammen mit ihrer Familie ist sie auf die Erde gekommen, um ein Heilmittel zu finden. Doch das gefährliche Institute macht Jagd auf sie. Und nicht nur auf sie. Wie ist Caster in die ganze Geschichte verwickelt?
Der Kampf um das Leben von Mensch und Erua, um die Erde und Aureon beginnt ... 



Die Geschichte:
Ich fand den Klappentext spannend zu lesen, da ich ja momentan sowieso häufig nach Science-Fiction greife. Hier in Verbindung mit der realen Welt wollte ich sehen, wie eine starke weibliche Hauptfigur die wichtigste Rolle spielt. Was zwar auch der Fall ist, aber gleichzeitig ist sie fast nur umgeben von männlichen Protagonisten. Die ihr zwar in Sachen Fähigkeiten nicht das Wasser reichen können, die aber stetig an ihr kleben, als hätte sie sie dringend nötig.
Die ganze Geschichte plätscherte auch eher vor sich hin, die Bedrohungen waren schnell aus dem Weg geschafft. Erst das Ende brachte etwas mehr Spannung und Action hinein.

Die Charaktere:
Ich hätte Kenna gerne als eigenständige Persönlichkeit gesehen, die Dinge in die Hand nimmt. Leider ist sie gefangen zwischen der menschlichen Teenie-Welt und dem ganzen Gefühlsdrama um Caster und ihren Exfreund. Die Bedrohung für Aureon hat sie zwar immer im Hinterkopf, aber viel zu tun mit seiner Rettung hat sie im Grunde nicht - trotz ihrer enormen Fähigkeiten, die sie tadellos zu beherrschen scheint. Was schade ist, ein paar Schwierigkeiten mit der Magie oder eine größere Rolle bei der Hilfe für Aureon hätten ihr noch mehr Persönlichkeit verliehen.
Caster/Emerald (kein Spoiler, das ganze Buch fängt aus seiner Perspektive an) habe ich leider als sehr nervigen Charakter in Erinnerung. Er schlägt um sich, ist abweisend, eifersüchtig, übellaunig ... was natürlich mit seiner Vergangenheit zu erklären ist. Trotzdem konnte ich das ganze Buch über keine Sympathie für ihn aufbringen. Und so hart es sich auch anhört: Wäre er nicht das Love-Interest von Kenna, man hätte ihn beinahe auch aus der Geschichte herauskürzen können. Die meisten Konflikte betrafen sowieso Kenna und ihre Familie.
In einer Fortsetzung wird seine Rolle vermutlich etwas wichtiger, aber für Band 1 war höchstens seine Hintergrundgeschichte stark genug, nicht Cas/Em in der jetzigen Storyline.
Eine andere Figur, die erst später in Erscheinung tritt, hat mir allerdings vom Charakter her ganz gut gefallen. Sein Auftauchen und seine Hintergründe waren etwas zu perfekt für die Geschichte, mich hat er trotzdem überzeugt.

Der Schreibstil:
Eigentlich bevorzuge ich einen simplen Schreibstil. Hier war er schon fast etwas zu simpel. Sehr beschreibend, wenig zeigend. Sowohl in den Dialogen als auch im Erzähltext. Der ganze Stil wirkt noch etwas unausgereift.
Das merkte man auch an der Namensnennung der Figuren. Sobald Kenna von Casters richtigem Namen weiß, nennt sie ihn fast in jedem ihrer Sätze bei dem Spitznamen, den sie sich für ihn ausgedacht hat: Em. Dabei spricht man einen Menschen gar nicht so oft mit dem Namen an, wenn man direkt neben ihm steht.
Im Erzähltext wird dann auch häufig zwischen dem ganzen Namen und dem Spitznamen hin und her gewechselt, das Gleiche gilt unter anderem auch für Arron/Ronny, Kennas Bruder. Das war etwas nervig, hier hätte ich mir eine einheitliche Regelung gewünscht.
Am meisten gestört hat mich allerdings, dass die Ich-Erzähler der zwei Protagonisten Kenna und Emerald so gleich klangen. Oftmals musste ich wirklich überlegen, wessen Perspektive ich gerade eigentlich lese. Das hat beide ein wenig Farbe gekostet.

Mein Fazit:
"Star Crossed - Silberblut" wird erst zum Ende hin aufregend und emotional. Was die Neugier auf eine Fortsetzung hoch hält. Leider stimmte für mich jedoch fast der ganze Rest des Buches nicht, um als wirklich lesenswert zu gelten. Viele angebliche Überraschungen waren etwas zu klischeebehaftet, die Liebesgeschichte zu vorhersehbar und nicht nachvollziehbar genug (magische Verbindungen sind für mich einfach nicht alles, ganz zu schweigen von der Schönheit der weiblichen Protagonistin). Ich muss auch zugeben, es hat mich ein wenig an "Obsidian" von Jennifer L. Armentrout erinnert. Sowohl von den Fähigkeiten her als auch von den Klischees.
Und beide Bücher haben mich auch nicht überzeugt.

Sabrina S. Says:


(aufgerundet, eigentlich eher 2,5 Bücherstapel)


                                                                                

Erschienen bei Loomlight (Thienemann-Esslinger)
Erscheinungsdatum: 27.3.2020

ISBN: 978-3-522-65452-4
E-Book, 381 Seiten

Preis: 3,99 €

Bestellbar unter anderem bei Thalia und Amazon

                                                                                 

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von Loomlight (Thienemann-Esslinger) zur Verfügung gestellt.

Samstag, 2. Mai 2020

Rezension "Blackcoat Rebellion - Das Los der Drei" von Aimée Carter

https://www.harpercollins.de/products/blackcoat-rebellion-das-los-der-drei-9783748800378

Als Kitty als III eingestuft wird, ist ihr klar, dass ihre Chance auf das Leben, das sie sich wünscht, vorbei ist. Doch als sich ihr unter den widrigsten Umständen auf einmal die Möglichkeit bietet, eine VII zu werden, greift sie zu.
Jedoch wird ihr allzu schnell klar, was diese Entscheidung bedeutet. Sie wird mitten hineingeworfen in Intrigenspiele der mächtigsten Familie. Wem kam sie hier trauen? Nichts ist so, wie es scheint.
Und dann taucht auf einmal ihr Freund Benji auf, den sie am liebsten in Sicherheit wüsste. Nur was ist schon Sicherheit, wenn jeder jeden bedroht, um zu bekommen, was er will?


Die Geschichte:
Am Anfang war ich der Geschiche gegenüber eher skeptisch. Alles wirkte noch sehr naiv, mir fehlten ein wenig die Hintergrundinformationen. Erst als Kitty dann bei den Mächtigen des Landes ist und sich herausstellt, welche Aufgabe sie erfüllen soll, geht es richtig los. Ein wenig zieht es sich alles trotz der wenigen Seiten. Und immer wieder kommen Wendungen, die alles über den Haufen werfen. Es ist alles in allem etwas chaotisch. Trotzdem wollte ich wissen, wie das Buch ausgeht. Insbesondere, wer überleben wird.
Das Buch ist übrigens kein Fantasy-Roman, sondern eine Art Dystopie!

Die Charaktere:
Selten sage ich, dass die Idee besser ist als die Charaktere. Aber hier ist das eindeutig der Fall. Jeder wirkte in seinen typischen Charakterzügen etwas klischeehaft und zu perfekt in seiner Rolle. Die Harmonie zwischen allen Figuren war auch etwas zu stark trotz all der Konflikte. Es ist schwer zu erklären, aber mir fehlten vor allem Dreidimensionalität und Sympathie. Da hat kein Charakter wirklich eine Ausnahme gebildet.

Der Schreibstil:
Man merkt, dass die Autorin mit Kinderbüchern begonnen hat. Der Schreibstil ist überwiegend beschreibend und einfach. Das funktioniert in Büchern ab 10 vielleicht, aber "Blackcoat Rebellion" wird sogar für ab 14 eingestuft. Dafür war der Stil nicht emotional genug. Er hat mich mitgenommen durch das Buch, mich jedoch nicht von den Charakteren oder der Geschichte überzeugt.

Mein Fazit:
"Blackcoat Rebellion - Das Los der Drei" ist in meinen Augen in Kinderbuch, in das ein paar grausame Elemente eingearbeitet worden sind. Von einem Jugendbuch erwarte ich grundsätzlich mehr. Von den Charakteren und vom Schreibstil her.
Grundsätzlich möchte ich zwar wissen, wie die Geschichte weitergeht (der Klappentext von Band 2 spoilert allerdings vehement!). Doch eher, um zu sehen, ob sich sowohl die Figuren als auch die Autorin weiterentwickeln.
Wenn man ein weniger anspruchsvolles Jugendbuch sucht, kann man zu "Das Los der Drei" greifen. Und ich würde es tatsächlich auch schon ab 12 Jahren empfehlen, weil die grausameren Elemente nicht wirklich schlimm geschildert sind, genauso wenig wie zum Beispiel die Liebe zwischen Kitty und Benji.

Sabrina S. Says:





                                                                                

Erschienen beim Dragonfly Verlag (HaperCollins)
Erscheinungsdatum: 24.3.2020

ISBN: 978-3-7488-0037-8
Hardcover, 320 Seiten

Preis Hardcover: 17,00 € (D) 
Preis E-Book: 12,99 € (D)

Originaltitel: Pawn

Bestellbar unter anderem bei HarperCollins
                                                                                

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von Harper Collins zur Verfügung gestellt.

Donnerstag, 16. April 2020

Rezension "Sommerzauber in Paris" von Sarah Morgan

https://www.harpercollins.de/products/sommerzauber-in-paris-9783959674584
(c) HarperCollins
Grace dachte, das Schlimmste, was ihr passieren könnte, wäre der Auszug ihrer volljährigen Tochter. Doch weit gefehlt! An ihrem fünfundzwanzigste Hochzeitstag eröffnet ihr Mann ihr, dass er die Scheidung möchte.
Die geplante Reise nach Paris dürfte damit ja wohl auch ausfallen - oder nicht? Nein, nicht mit Grace. Sie nimmt das Abenteuer an, reist allein in die Stadt der Liebe und begegnet prompt der jungen Audrey, die ebenfalls nach Paris vor ihren Problemen geflüchtet ist. 
Durch Audreys mangelnde Französischkenntnisse und den Job in einer kleinen Buchhandlung nähern sich die beiden an. Und motivieren sich dazu, über ihre Grenzen zu gehen. Auch, was die Liebe angeht ...



Die Geschichte:
Am Anfang dachte ich noch nicht, dass die Geschichte etwas so Besonderes sein würde. Eine betrogene Ehefrau, ein Mädchen, das vor seiner Familie flüchtet, alles schon tausendmal gelesen. Aber die Art und Weise, wie sich die Geschichte entwickelt, war wunderschön. Nicht so, dass man mit vielem nicht rechnet. Nein, man ahnt schon, was teilweise passieren wird. Doch es ist so zauberhaft erzählt, dass man die Geschehnisse auch herbeisehnt.

Die Charaktere:
Grace' Wandlung geht vielleicht einen Hauch zu schnell voran, ansonsten war sie wirklich super als Figur. Charakterstark und hilfsbereit, einfach zum Gernhaben.
Audrey mochte ich ebenfalls sehr, sie ist ein Wildfang, gleichzeitig merkt man ihr jedoch an, dass sie schnell erwachsen werden musste.
Die Nebencharaktere waren auch sehr authentisch, vor allem Mimi und David. Einzig Etienne fand ich etwas zu perfekt.

Der Schreibstil:
Ich kannte den Schreibstil von Sarah Morgan bereits durch andere ihrer Bücher. Er ist nicht sonderlich tiefsinnig oder ausschweifend, aber das braucht er auch gar nicht zu sein. Er passt einfach zu den Geschichten, die sie erzählen will. So auch bei "Sommerzauber in Paris".
Ich kam auch recht schnell voran beim Lesen, was mich persönlich mehr anspricht als eine verschnörkelte Sprache, bei der man jeden Satz zweimal lesen muss oder die Hälfte davon überliest.

Mein Fazit:
Eine tolle Geschichte, um Mut zu machen. Für die Liebe, für Abenteuer, für Vertrauen. Man fühlt sich einfach wohl beim Lesen, will dass es ein gutes Ende gibt, aber will gleichzeitig nicht aufhören zu lesen. Ich kann auch sagen, dass ich mit allen Entwicklungen so weit sehr zufrieden war - was nicht häufig geschieht.

Sabrina S. Says:





                                                                                 

Erschienen beim HarperCollins Germany
Erscheinungsdatum: 24.03.2020

ISBN: 978-3-95967-458-4
Klappenbroschur, 416Seiten

Preis 15,00 € (D) 

Auch als E-Book erhältlich

Bestellbar unter anderem bei HarperCollins Germany

                                                                                  

Ein E-Book dieses Titels wurde mir freundlicherweise über Netgalley als Rezensionsexemplar von HarperCollins zur Verfügung gestellt.

Sonntag, 9. Februar 2020

Rezension "Bring down the stars" von Emma Scott

(c) Lyx Verlag
Nach einer herben Enttäuschung mit ihrem Exfreund ist Autumn eigentlich nicht auf eine neue Beziehung aus. Nur dann lernt sie Connor kennen: beliebt, optimistisch, herzensgut. Genau das, was sie in ihrem Leben gebrauchen kann.
Fast gleichzeitig begegnet sie Weston, Connor bestem Freund. Dieser ist beinahe das genaue Gegenteil: ein Einzelgänger, mürrisch, distanziert. Aber auch faszinierend.
Diese Tatsache ignorierend, hält Autumm an Connor fest, doch als es zu kriseln beginnt, bleibt diesem scheinbar nur eine Wahl - Westons kreative Seite für seine eigene auszugeben. Um Autumn nicht zu verletzen, spielt Weston mit.
Aber dann kommt alles anders als geplant und auf einmal stellt sich ihr nicht mehr die Frage, wen sie wirklich will - sondern wer ihr noch bleibt.

Die Geschichte:
Ach, ich wollte so sehr mal wieder eine gute Dreiecksgeschichte lesen. Die auch glaubwürdig ist, sich langsam entwickelt und einen genauso schwanken lässt wie die Protagonistin. Leider wird einem das hier nicht geboten. Von Anfang an wird einem das Traumpaar präsentiert, das nur eine Lüge ist. Die Sympathien werden natürlich auf das Richtige, das Wahre gelenkt. In langwieriger Weise, obwohl das Buch gar nicht so viele Seiten hat.
Erst aufs Ende hin kommt mehr Spannung auf, die Annäherungen und Charaktere wirken glaubhafter.

Die Charaktere:
Apropos Charaktere: Keiner der drei hat für mich Lieblingspotenzial. Autumn wirkt total naiv, indem sie das Schauspiel quasi nie aufrichtig anzweifelt. Klar, als Leser weiß man durch die wechselnde Perspektive zwischen ihr und Weston mehr, dennoch ist es kaum vorstellbar, dass sie so wenig hinterfragt.
Connor ist ohnehin sehr schlecht dargestellt, indem er Westons Talent quasi ausnutzt. Man erfährt zwar viel über seine Hintergründe, seine Emotionen, aber so richtig darauf eingegangen wird das Buch über nicht. Er ist quasi nur das Hindernis zwischen Autumn und Weston.
Dieser hingegen hat natürlich dieses grüblerische Traumprinz-Potenzial. Düster, ein wenig Bad Boy, aber mit einer weichen Seite - und er kann auch noch kreativ schreiben! Der Mädchentraum schlechthin im Buchbereich. Für mich fast schon zu klischeehaft dadurch. Und seine fehlende Weigerung, das Ganze zu beenden, fand ich auch nicht so nachvollziehbar. Seine Gefühle Autumn gegenüber wirkten dadurch nicht so tief, wie sie es sein sollten.

Der Schreibstil:
Der Stil war in Ordnung. Teilweise auch emotional, manchmal fast zu schlicht. Gut zu lesen, aber die Idee damit besser oder einzigartig gemacht hat er auch nicht.

Mein Fazit:
Für die Liebe kämpfen ist hier offensichtlich nicht das Motto. Connor ist noch der Einzige, der sich irgendwie bemüht. Wobei das schon fast etwas zu übertrieben ist, da seine intensive Gefühle Autumn gegenüber etwas ins Lächerliche gezogen werden, dadurch, dass er sie nicht ausdrücken kann.
Mir hat hier die emotionale Tiefe gefehlt, die nur angedeutet worden ist. Gründe jedes Einzelnen wurden genannt, immer wiederholt und eine Zeit lang passierte nichts. Das Ende reißt es dann etwas raus, als endlich die Dramatik erhöht wird. Beziehungsweise wird diese dann fast auf die Spitze getrieben. Damit war nicht zu rechnen. Und das Buch hört auch an einer sehr fiesen Stelle auf, sodass man natürlich weiterlesen will.
Na ja, oder auch nicht. Ich weiß sowieso schon, wie das Ganze ausgeht: Der Schwindel fliegt auf, Autumn und Weston werden ein Paar. Den Weg bis dahin will ich mir ehrlich gesagt nicht mehr antun. Das könnte in Kombination mit den Ereignissen zum Ende von Band 1 fast wieder zu übertrieben dramatisch werden.
Sehr schade, aber meine hohen Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Ein mittelmäßiges New-Adult-Buch.

Sabrina S. Says:





                                                                                 

Erschienen beim Lyx-Verlag (Bastei Lübbe)
Erscheinungsdatum: 27.11.2019

ISBN: 978-3-7363-1128-2
Paperback, 392 Seiten

Preis 12,90 € (D) 

Auch als E-Book erhältlich

Bestellbar unter anderem bei Lyx

                                                                                

Sonntag, 4. August 2019

Rezension "Falling Fast" von Bianca Iosivoni

© Bild: www.luebbe.de

Hailees Trip durch die Vereinigten Staaten wird prompt unterbrochen, als ihr Auto den Geist aufgibt. Gestrandet in einer Kleinstadt, trifft sie auf den ebenso attraktiven wie einfühlsamen Chase, der ihr seine Hilfe anbietet.
Obwohl Hailee fasziniert von dem jungen Mann ist, weiß sie, dass sie nicht an diesem Ort bleiben kann. Denn er hat eine Bedeutung für sie, für ihre Vergangenheit und ihre Zukunft.
Doch je näher sie Chase kommt, desto größer wird Hailees innerer Konflikt. Denn obwohl sie sich vorgenommen hat, etwas zu wagen, war die Liebe doch nichts, das sie eingeplant hatte ...




Die Geschichte:
Romantisch, dramatisch, es passt irgendwie alles. Die ganze Atmosphäre ist einfach nur schön - denkt man zumindest. Es versteckt sich natürlich sehr vieles hinter dieser Geschichte, das man nicht erwartet. Ich für meinen Teil habe mit einigem nicht gerechnet. Anderes dagegen war sehr vorhersehbar und manchmal etwas arg klischeehaft. Das Besondere kommt wirklich eher am Schluss.

Die Charaktere:
Ich dachte anfangs, ich könnte mich sehr viel mehr mit der unsicheren Hailee identifizieren. Leider war das nicht der Fall. Obwohl sie ab und an Zweifel hat, traut sie sich mehr zu, als man eigentlich erwartet anhand ihrer Vorgeschichte. Dadurch wirkte manches etwas unrealistisch.
Chase als Love Interest hat mir ganz gut gefallen. Man konnte sich auch wirklich in ihn hineinversetzen. Und er ist eine gute Mischung, also nicht wirklich good oder bad. Einfach sympathisch, irgendwie ... normal.

Der Schreibstil:
An sich mag ich Biancas Schreibstil, er ist emotional und tiefgründig. Manchmal etwas gewitzt. Die Hürde ist für mich eher, dass ihre weiblichen Figuren irgendwie immer ähnlich klingen bzw. denken. Das ist mir in der "Firsts"-Reihe aufgefallen, bei "Sturmtochter" auch. Hier bei Hailee als eher zurückhaltendem, unsicheren Charakter hätte ich mir einen kleinen Wandel gewünscht, den es leider nicht gab.

Mein Fazit:
Ein empfehlenswerter New-Adult-Roman, der sich mal mit anderen Themen beschäftigt. Es ist nicht diese typische College-Geschichte, es gab keinen Missbrauch oder einen Gefängnisaufenthalt. Außerdem ist die Liebesgeschichte sehr realistisch gehalten, wenn man die Emotionen anschaut, nicht die klischeehaften Szenen.
Diese und Hailees manchmal unglaubwürdiges Verhalten lassen mich einen Bücherstapel von meiner Bewertung abziehen. Außerdem muss man leider sagen, dass durch die viele Geheimniskrämerei zum Spannungsaufbau ein wenig die Seriosität des letztendlichen Themas verloren geht. Ich hoffe, das ändert sich in Band 2.

Sabrina S. Says:




                                                                                 

Erschienen beim Lyx-Verlag (Bastei Lübbe)
Erscheinungsdatum: 27.05.2019

ISBN: 978-3-7363-0839-8
Paperback, 480 Seiten

Preis 12,90 € (D) 

Auch als E-Book erhältlich

Bestellbar unter anderem bei Lyx