Dienstag, 20. Oktober 2015

"Ich kann nicht nur aus der Sicht einer Person schreiben."

So, heute geht es um die Erzählperspektive meiner Werke. Entscheidend hierbei: Es geht nicht nur um meine Romane, sondern auch um meine Kurzgeschichten. Bei denen gibt es auch eine entscheidende Wende. Diese ist zwar die gleiche wie in meinen Romanen, vollzog sich jedoch bereits früher.

Folgendes ist zu erkennen: Als ich mit dem Schreiben angefangen habe, verwendete ich stets einen Er-Erzähler. In meinen Romanen war es zum Teil ein Wechsel zwischen dem auktorialen (allwissenden) und dem personalen, also noch sehr uneinheitlich. In Kurzgeschichten habe ich es meist geschafft, durchgehend einen personalen Erzähler beizubehalten, weil die anfangs so kurz waren, dass man kaum die Gefühle und Gedanken verschiedener Personen darstellen konnte.
Ab dem Jahr 2010 allerdings fällt auf, dass in meinen Kurzgeschichten zunehmend ein Ich-Erzähler auftaucht. Und das ist kein Zufall. Denn als ich 16 war, begann ich damit, die Realität in kurzen Geschichten zu verarbeiten. Manche davon sind eigentlich eher Gedankenfetzen, keine richtigen Geschichten. Andere Erlebnisse (oder imaginierte Erlebnisse) habe ich tatsächlich zu Kurzgeschichten verarbeitet und dementsprechend mich selbst in die Erzählung hineingebaut. Ich trug nie meinen eigenen Namen, sah auch oft anders aus, aber letztendlich trat ich persönlich auf. Wie ich war oder sein wollte. Irgendwie half mir die Vorstellung von einer perfekteren Realität, mit der wirklichen Realität klarzukommen.

Meine Romane schreibe ich inzwischen auch aus der Ich-Perspektive. Dass ich damit nicht schon früher angefangen habe, liegt vermutlich daran, dass ich an meinem zweiten Roman drei Jahre gearbeitet habe, die personale Perspektive war also längst festgelegt. Abgesehen davon änderte sich die Perspektive stetig, weshalb ein Ich-Erzähler mehr als unpassend gewesen wäre.

Allerdings musste ich eine weitere Festellung bezüglich meiner Perspektiven-Vorliebe machen: 

Ich kann nicht nur aus der Sicht einer Person schreiben.

Zumindest nicht in Romanen. Da fehlt mir einfach etwas. Ich bin dabei zu eingeschränkt. Also teste ich inzwischen mehrere Varianten, wie ich einen Ich-Erzähler mit einem Perspektivenwechsel kombinieren kann. Und bist jetzt haben meine zwei Versuche funktioniert! Wobei ich erkennen musste, dass das Verhältnis des Erzählten jedoch nicht ganz gerecht aufgeteilt ist. Es gibt nämlich stets eine Person, aus deren Sicht ich lieber erzähle. Und trotzdem könnte ich nicht nur ihre Perspektive verwenden, sonst fehlt entweder die Logik oder die Spannung. Der Leser könnte nicht nachvollziehen, um was es (mir) gerade geht.

Trotz allem weiß ich noch immer nicht, wie ich es bei meinem nächsten Roman mache. Ehrlich gesagt weiß ich noch nicht einmal, was ich als Nächstes schreiben werde. (Aber Zeit wird’s, dass ich eine Entscheidung treffe, bis zum NaNoWriMo ist es nicht mehr lange hin und ich habe mir fest vorgenommen, dort teilzunehmen!)

Nächste Woche gibt es dann (aus speziellem Anlass) ein paar Worte über mein Verhältnis zu Kurzgeschichten. Ich hoffe, ihr schaut wieder vorbei!

Grüße aus einer einzigen Perspektive

Sabrina S.

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