Dienstag, 3. Mai 2016

"Sachliches Schreiben ist wie eine Schreibblockade."

Wie ihr ja inzwischen wissen dürftet (spätestens nach meinem letzten Post zu dieser Reihe), ist die Beziehung zwischen dem Schreiben und mir gerade ein wenig ... kompliziert. Das liegt allerdings nicht nur an meinem aktuellen Roman, sondern auch an Schreibarbeit der anderen Art. Denn meine Bachelorarbeit will in den nächsten Wochen fertig gestellt werden und das ist eine ganze andere Dimension von Schreiben, als wenn ich an einem Roman oder einer Kurzgeschichte arbeite.

Die Bachelorarbeit sieht nämlich vor, dass ich sachlich argumentiere und anschließend bewerte. Im Roman kann ich Handlungen beschreiben und sie sofort bewerten. Der Unterschied besteht vor allem darin, dass ich im Sachlichen mehr analysieren und weniger beschreiben muss. Gar nicht so einfach, wenn du ein Thema hast, bei dem du die Handlung einer Geschichte zum Teil widergeben musst. Denn bei mir dreht sich alles ums Nibelungenlied. Wie ihr vielleicht wisst, ist das ein Epos, also passiert ziemlich viel über einen langen Zeitraum. Natürlich kann man da nicht jedes kleine Handlungselement aufzählen, also muss man erst das Wichtigste herauspicken - und dann auch noch begründen, warum man diese Textstellen gewählt hat!

Alles muss nüchtern betrachtet werden und jede Behauptung am Text belegt werden. Dann braucht man noch Argumente aus der Sekundärliteratur (also Abhandlungen zum Thema), die die eigenen Thesen stützen oder ihnen widersprechen.
Wenn man etwas unberücksichtigt lässt oder nicht ausreichend analysiert hat, wird das sofort angekreidet. Dann wird die Arbeit länger und länger und man stellt fest, dass man vielleicht an manchen Stellen doch etwas zu sehr vom eigentlichem Thema abgekommen ist (was natürlich Gift ist). Also kürzen. Aber widerum nicht so sehr, dass dir ein wichtiges Argument abhanden kommt. 

Ich habe das Gefühl, beim sachlichen Schreiben muss ich mehr Lektor als Autor sein, dabei gleichzeitig allerdings selber einen ganzen Text schreiben. Das ist ein merkwürdiges Gefühl, wo ich doch als Lektor sonst nur herumbastele.
Jetzt muss ich alles infragestellen, was ich geschrieben habe. Jeder Gedanke wird dreimal gewendet, bevor ich mir sicher sein kann, dass er passt. Und dann tut er es vielleicht doch nicht, weil ich etwas anderes dabei verdrängt habe.

Um einen Vergleich anzustellen, den viele Autoren bestimmt nachvollziehen können: 

Sachliches Schreiben ist wie eine Schreibblockade.

Du stellst dir diese "Was wäre wenn ...?"-Fragen. Du kaust alles durch, was du über den Text weißt. Dir gefällt eigentlich nicht wirklich, was du schreibst, weil es blöd klingt. (Zumindest hört sich in meinen Ohren mein sachlicher Schreibstil blöd an.)

Wahrscheinlich ist das mit dem kreativen Schreiben deshalb momentan so eine Sache. Ich komme aus diesem verflixt nüchternen Denken nicht raus. Nicht, dass mir das beim Schreiben nicht auch helfen könnte, um Probleme zu lösen.
Umgekehrt allerdings hilft mir das kreative Schreiben gar nicht bei der Bachelorarbeit. Denn mein kreativer Schreibstil ist alles andere als förderlich für sachliches Schreiben. Zu gerne bewerte ich einfach alles, was ich schreibe.
Geschriebenes von anderen zu analysieren, ist dagegen nicht so meins. Höchstens wenn ich lektoriere. Aber diesen Vergleich hatten wir ja schon.

Wie auch immer. Sobald ich meine Bachelorarbeit beendet, überarbeitet, korrigiert, gelesen und was sonst noch habe, fokussiere ich mich wieder aufs kreative Schreiben. Das liegt mir nicht nur mehr, ich vermisse es auch wahnsinnig. Die Autoren unter euch, die längere Zeit nicht geschrieben haben, wissen, wovon ich spreche ;)

Mit eher unsachlichen Grüßen

Sabrina S.

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