Samstag, 14. Mai 2016

Anredepronomen und direkte Anrede

Passend zu meinem Geburtstag heute gibt es den vorerst letzten Beitrag zu „Tipps einer Lektorin“. Vorschläge für weitere Themen könnt ihr mir allerdings gerne mitteilen (entweder als Kommentar oder ihr schreibt mir eine Mail an autorin@sabrina-schumacher.com). Ich bin offen für alles und jederzeit bereit, euch mit euren schriftstellerischen Schwierigkeiten zu helfen ;)


1. Anredepronomen


Aber nun zum heutigen Thema. Ich fange mal mit den Anredepronomen an, da man die nur richtig oder falsch schreiben kann. Da gibt es kein Wenn und Aber.

Die oberste Regel ist: Anredepronomen immer klein schreiben.

Also wenn irgendwo auftaucht: „Was machst du heute?“, dann muss das „du“ kleingeschrieben werden. Gleiches gilt für alle anderen Personalpronomen (ich, du, er, sie, …) und Possessivpronomen (mein, dein, euer, …) und Reflexivpronomen (mich, euch, uns, …).

Ausnahmen gibt es nur in folgenden Fällen:
  • Wenn man jemanden offiziell anredet, spricht man denjenigen mit „Sie“ / „Ihnen“ an. Nur wenn ihr High Fantasy oder Historisches schreibt, dürft ihr auch mit „Ihr“ / „Euch“ arbeiten. Diese etwas herrschaftlichere Anrede ist meistens für Könige, Adelige und sonstige Personen hohen Ranges gedacht (daher auch „Eure Majestät“).
  • In Briefen, die aus den vorigen Jahrhunderten stammen, wurden die Anredepronomen oft groß geschrieben, egal wie nah man der Person stand. Habt ihr also irgendwo einen alten Brief oder einzelne Briefzeilen, die nicht aus dem 20. Jahrhundert stammen, dann dürft ihr auch „Du“ / „Dir“ usw. groß schreiben.
  • Es kann vorkommen, dass Personalpronomen substantiviert sind. Zum Beispiel wenn es heißt: „Mein wahres Ich kam zum Vorschein.“ / „Steigen wir doch auf das Du um.“
          Also wenn das Personalpronomen anstelle eines Nomen steht und mit einem Artikel
          oder einem Possessivpronomen eingeleitet wird, dann dürft ihr groß schreiben.


2. Direkte Anrede


Die direkte Anrede ist ein etwas leidiges Thema. Jemanden einfach mit seinem Namen anzusprechen, ist noch einfach, denn die einzige Regel ist, dass der Name mit Kommas eingerahmt werden muss. Doch wenn es um Anredewörter geht, wird das mit der Kommasetzung schwierig.

Hier ein Beispiel: „Hallo Lisa, wie geht es dir?“

Komma hinter das „Hallo“ oder nicht? Das ist hier die Frage. Falsch sieht es so eigentlich nicht aus, oder? Das liegt daran, dass heutzutage in Büchern häufig kein Komma gesetzt wird. Allgemeingültig ist das allerdings nicht. Denn normalerweise werden Anreden immer mit Komma abgegrenzt:

„Was tust du hier, meine Liebe?“ / „Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag, Maria.“

Im Grunde genommen wäre das Komma hinter dem „Hallo“ also durchaus erklärbar. Das Problem ist, dass es ziemlich doof aussieht:

„Hallo, Lisa, wie geht es dir?“

Denn einzelne Wörter, die von Kommas umschlossen sind, machen keinen guten Eindruck (siehe letzter Beitrag). Das erste Komma wirkt bei der Anrede sperrig. Darum hat man in Briefen auch nie keins gesetzt:

„Hallo Lisa,
ich wollte mich nach deinem Befinden erkundigen. Ich hoffe, es geht dir gut. …“

Wobei in Briefen meistens „Sehr geehrte(r) Frau/Herr ...“ oder „Liebe(r) …“ steht. Damit kann man das „Hallo“ umgehen. Allerdings geht das in belletristischen Texten nicht.

Also, was tun? Sich um das Komma streiten? Nicht mit mir.

Da der Duden keinen Aufschluss über die Kommasetzung bei solchen Wörtern gibt, habe ich mir selbst eine Regel überlegt, mit der ich dem Komma-Anrede-Problem Herrin werde:

Bei Anreden, die aus mehr als zwei Wörtern bestehen, setze ich das Komma. Bei einzelnen Anredewörtern nicht.


Hier ein paar Beispielsätze:

„Hallo, meine Liebe.“ ABER: „Hallo Lisa.“
Bei Betonung auf dem „Hallo“ trotzdem ein Komma setzen, z.B. in einer Frage: „Hallo, Lisa?“ Um die Betonung zu testen, versucht doch mal, den Satz zu teilen: „Hallo? Lisa?“

„Hey, du Idiot!“ ABER: „Hey du!“
Gleiches Spiel hier: Wenn die Betonung auf dem „du“ statt auf dem „Hey“ liegt, dann Komma setzen. Test: „Hey! Du!“ → Betonung auf dem „du“, also: „Hey, du!“

„Na du, wie geht es dir?“ ABER: „Na, Tobi, wie sieht es aus?“
Wenn die Betonung auf dem „na“ liegt, statt auf der Anrede, dann auch hier wieder abgrenzen. Test: „Wer war es? Na Tobi!“ → Betonung auf dem Namen, also kein Komma!

„Ach Frank, so geht das nicht weiter.“ ABER: „Ach, du warst das.“
Ohne Anrede würde ich stets dazu raten, das „Ach“ vom restlichen Satz abzugrenzen. Zwar muss man das nur, wenn man es auch betont, aber ich gehe grundsätzlich davon aus, dass es so ist – denn sonst könnte man es ja auch weglassen.


So, ich hoffe, ich habt nun keine Schwierigkeiten mehr mit der Anrede in euren Texten. Solltet ihr mit speziellen Anredewörtern oder in irgendeinem Satz Probleme haben, fragt einfach nach.


Das war es jetzt erst einmal von mir. Am Dienstag geht es wie gewohnt mit „Das Schreiben & Ich“ weiter. Sollten mir selbst noch Artikel einfallen oder solltet ihr mir noch etwas vorschlagen, dann mache ich hier selbstverständlich weiter. Nur die regelmäßig am Samstag erscheinenden Themen habe ich hiermit abgearbeitet. Über Feedback freue ich mich natürlich immer ;)


Viel Spaß beim Schreiben und Überarbeiten wünsche ich euch!


Sabrina S.

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