Samstag, 9. April 2016

Wörtliche Rede 3 - Redende Verben

Falls ihr die letzten Beiträge verfolgt habt, wisst ihr, worum es sich in den heutigen Tipps dreht. Falls ihr mit den „redenden Verben“ nichts anfangen könnt: Das sind Verben, die ausdrücken, dass oder wie etwas gesagt wird; sprich alle Synonyme für „sagen“.
Der Begriff „redende Verben“  ist im Übrigen nicht allgemeingültig, also kein Wunder, falls ihr damit nichts anfangen konntet. Ich benutze ihn allerdings gerne, um nicht jedes Mal von „sagen“-Synonymen oder Wörtern für „sagen“ sprechen zu müssen. Dieses Verb taucht ohnehin viel zu häufig auf. Abgesehen davon finde ich den Ausdruck in Kombination mit dem Thema der wörtlichen Rede passend.

Nun, nachdem wir die Begrifflichkeiten geklärt haben, kommen wir zur Praxis. Heute räume ich dafür mit ein paar Behauptungen auf, die man häufig zur wörtlichen Rede findet:


1. Benutzt so oft wie möglich „sagen“.


Nein! Wenn ihr jedes Mal einen Sprecherwechsel mit „sagen“ kennzeichnet, wirkt das furchtbar unkreativ und nervig. Außerdem kommen dadurch kaum Emotionen der Figuren rüber. Ein Ausrufesatz, hinter dem „sagen“ steht, entfaltet nicht die gleiche Wirkung, wie wenn man „schreien“ oder „brüllen“ verwendet. Und Fragesätze sollte man schon gar nicht mit „sagen“ abschließen, denn das Verb weist auf eine Aussage hin und nicht auf eine Frage – das ist ein Wahnsinnsunterschied.

2. Leser lesen sowieso über redende Verben hinweg, also kann ich sie beliebig oft wiederholen.


Nein! Mitten im Gespräch, wenn es zwischen zwei gesagten Sätzen steht, dann liest man mal drüber, okay. Auch wenn davor oder dahinter ein weiterer (Teil-)Satz steht. Aber wenn ihr nur den Sprecherwechsel markiert, ist das redende Verb sehr auffällig und jede Wiederholung kommt negativ rüber.

Ich veranschauliche euch das mal:

Amy trat zu Dina in die Schlange vor der Essensausgabe und sagte: „Hallo.“
„Hey“, sagte Dina. „Wie geht es dir?“
„Gut“, sagte Amy.
„Leider gibt es heute nichts Gutes“, sagte Dina und seufzte. „Und ich hatte mich schon so gefreut.“

Über welches „sagte“ konntet ihr nicht hinwegsehen? Ich wette, es ist das dritte. Und im Anschluss vermutlich auch noch das vierte. Denn dieses „sagte Amy“ ohne schmückendes Beiwerk brennt sich ins Gedächtnis, wodurch alle folgenden „sagte“ einen geradezu anspringen – und die zuvor eventuell auch noch.


3. Bei jedem Sprecherwechsel muss im Anschluss ein redendes Verb stehen.


Nein! Wie bereits im ersten Beitrag zur wörtlichen Rede erwähnt, muss nicht jedes Mal „sagen“ oder Ähnliches dahinter stehen. Je nach der Anzahl der anwesenden Personen kann man es auch mal weglassen. Vor allem wenn ihr eine Handlung zuvor oder dahinter stehen habt, ist das redende Verb meist unnötig – es sei denn ihr wollt hervorheben, wie die Figur etwas sagt.

4. Redende Verben immer durch Handlungen ersetzen.


Jein. Es ist gut, wenn ihr statt den redenden Verben Handlungen wie Kopfschütteln, Schulterzucken oder so was setzt. Aber das müsst ihr nicht jedes Mal machen. Denn wisst ihr, wie die Gespräche dann aussehen würden? Als wären die Figuren hyperaktiv. Als ob sie nicht für ein paar Sekunden nichts tun könnten. Und im wirklichen Leben bewegt man sich während Gesprächen sowieso deutlich weniger als in Büchern, ihr müsst das also nicht noch einen drauf setzen.

5. Redende Verben sollte man mit Adjektiven verstärken.


Kann man, sollte man jedoch nicht. Wenn ihr „sagen“ habt, könnt ihr ruhig dahinter mal ein „unsicher“, „verwirrt“ oder „enttäuscht“ setzen. Doch wenn ihr das permanent macht, erklärt ihr zu viel. Das Gesagte sollte für sich stehen. Wenn es das nicht tut, verstärkt es mit einer Geste oder der Mimik, aber nicht mit einem Adjektiv!

Und als kleiner Hinweis, den ich auch schon bekommen habe: Redende Verben können Adjektive auch ersetzen. Hier ein paar Beispiele:

etwas leise sagen → murmeln, flüstern, wispern
etwas laut sagen → rufen, schreien, brüllen
etwas abgehackt sagen → stammeln, stottern


6. Adverbien eigenen sich, um Struktur in die wörtliche Rede zu bringen.


Ja, vielleicht tun sie das. Aber sie sehen furchtbar aus. Mit den richtigen redenden Verben könnt ihr darüber hinaus auch den Wortwechsel bzw. die Reihenfolge des Gesagten deutlich machen. Folgende Wörter eigenen sich dafür:

beginnen, anfangen, fortfahren, hinzufügen, antworten, erwidern, entgegnen, beenden, (ab)schließen

Also weg mit den „danach“, „dann“, „anschließend“, „schließlich“ usw.!


Achtung, Falle!
Gut. Nachdem wir das nun alles aus der Welt geschafft haben, habe ich noch ein dringendes Anliegen an euch. Denn es gibt da etwas, das mich noch mehr auf die Palme bringt als all die Unschicklichkeiten, auf die ich euch nun aufmerksam gemacht habe, zusammen. Nämlich so was hier:

„War doch nur ein Scherz“, grinste sie.

Wenn ich so was sehe, würde ich den Autor am liebsten kräftig durchschütteln. Warum? Versucht ihr doch mal, einen Satz zu grinsen … Und nein, sagt mir jetzt nicht, das geht! Ihr könnt meinetwegen grinsend etwas sagen, aber ihr könnt keinen Satz grinsen. Wörter sind Laute und grinsen bezieht sich auf die Mimik und das passt nicht zusammen!

Gleiches gilt im Übrigen auch für „lächeln“, „schniefen“ und „weinen“.
Denn ihr lächelt mit den Lippen, schnieft mit der Nase und weint mit den Augen. Nichts davon hat etwas mit Wörtern zu tun!


Ebenso schlimm ist es, wenn ihr Verben benutzt, die zwar Laute darstellen, aber die sich nicht mit dem Gesagten vereinbaren lassen. Darunter fallen: 

lachen, glucksen, schnurren

Probiert es gerne aus, aber all das könnt ihr nicht gleichzeitig machen und dabei anständige Worte geschweige denn Sätze bilden.


Natürlich gibt es auch Grenzfälle, die ich unter bestimmten Umständen durchgehen lassen würde. Trotzdem wäre mein Rat, auf die folgenden Wörter als redende Verben zu verzichten:

seufzen, brummen, zischen, keuchen, husten, krächzen

So passend sich manches davon auch literarisch anhört, macht bitte immer erst den Selbstversuch, ob ihr das Gesagte tatsächlich seufzen, brummen oder zischen könnt. Denn normalerweise sind das gesonderte Laute, die ihr vor oder nach dem Reden macht und nicht gleichzeitig.
Und wenn ihr euch nicht ganz davon trennen wollt, ist doch auch kein Problem. Denn für die meisten dieser Wörter gilt: Als Handlung hui, als redendes Verb pfui.


Und nun habe ich noch eine Frage an euch. Denn es gibt da ein Wort, das mir Schwierigkeiten bereitet, ob ich es stehen lassen kann oder ersetzen muss: hauchen.
Was würdet sagen? Kann man Wörter hauchen? Und wie verhält es sich dann mit „pusten“?


Sabrina S.

Nächsten Samstag erzähle ich euch etwas mehr darüber, wie ihr direkte und indirekte Gedanken in den Texten richtig darstellt.

Kommentare:

  1. Würde sich der Beitrag an Viertklässler richten, wäre das ok, da sich das aber doch an Autoren wendet (so nehme ich an), ist es schon ein wenig peinlich von "redenden Verben" zu sprechen, weil man nicht "sagen-Synonyme" sagen möchte. Das heißt Verba dicendi, fertig.

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    1. Lieber Anonymous,

      ich wollte in dem Beitrag deutlich machen, dass es sich nicht nur um eine Liste von "sagen"-Synonymen handelt, darum habe spreche ich absichtlich nicht davon.
      Und bezüglich der Verba dicendi: Nicht jeder Autor kann Latein und weiß, was damit gemeint ist.
      Da ich die Tipps außerdem so einfach wie möglich halten will, versuche ich, so wenig Fachbegriffe wie möglich zu verwenden. Wenn Ihnen diese Vorgehensweise nicht gefällt, müssen Sie die Beiträge ja nicht lesen.

      Grüße, Sabrina

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