Samstag, 30. April 2016

Satzkonstruktionen

Heute gebe ich euch ein paar Hinweise, wie ihr eure Sätze optimiert – formal, versteht sich. Ich pfusche ungern inhaltlich in Sätzen herum, es sei denn sie sind unklar oder es hat sich ein Fehler eingeschlichen. Allerdings baue ich Sätze gerne um, formuliere sie anders, kürze oder teile sie. Dadurch verbessere ich den Lesefluss schnell und effektiv.
Wie ihr das auch könnt, zeige ich euch jetzt.

1. Satzlänge bzw. Satzkomplexität


Die optimale Satzlänge gibt es nicht. Je nach Aussage und Situation ist eine andere Länge angemessen. Aber ich kann euch ein paar allgemeine Hinweise geben:

  • Kurze Sätze prägen sich leicht ein. Wenn ihr also etwas Wichtiges zu sagen habt, reichen ein paar wenige Wörter. (Um den heißen Brei herumreden kommt nie gut an, weder in Büchern noch in der Realität.)
  • Nicht zu viele kurze Sätze hintereinander! Es sei denn ihr wollt darstellen, dass jemand abgehackt spricht oder denkt. Zielt ihr auf diesen Effekt ab, ist es okay.
  • Sätze klingen oft besser, wenn es einen Haupt- und einen Nebensatz gibt. Reiht also nicht ständig Hauptsätze mit „und“ aneinander, das klingt zu sehr nach Aufzählung.
  • Sätze besser nie so formulieren, dass mehr als drei Kommas enthalten sind! Gestaltet ihr den Satz zu komplex, wird der Leser irgendwann den Anfang nicht mehr wissen bzw. die eigentliche Aussage nicht kapieren. Also ruhig Punkte setzen, dafür sind sie da.


2. Einschübe


Einschübe mitten im Satz sind eine gute Möglichkeit, um eine Erklärung schnell hinzuzufügen. Doch auch hier muss Vorsicht geboten werden, wenn ihr eure Leser nicht verwirren wollt:

  • Nie mehr als ein Einschub pro Satz! Eine zusätzliche Information aufzunehmen, gelingt dem Leser leicht. Bei mehreren wird der erste Einschub schnell ausgeblendet.
  • Einschübe immer vom restlichen Satz abtrennen. Das geht mit zwei Kommas ebenso wie mit zwei Gedankenstrichen (also vor und hinter dem Einschub). Oft ist der Gedankenstrich sogar die bessere Variante, um die eingeschobene Erklärung hervorzuheben. Bei all den Kommas im Text geht die zusätzliche Information schnell unter. Und wenn im Satz ohnehin mehr als zwei Kommas enthalten sind, besteht Verwirrungsgefahr. Also entweder Satz trennen oder Gedankenstriche verwenden! (Wahlweise funktionieren auch Klammern, aber meistens arbeitet man damit in der belletristischen Literatur selten.)

3. Nebensätze:


Wie bereits erwähnt, machen sich Satzkonstruktionen mit Haupt- und Nebensatz gut im Text. So gut, dass man schnell damit übertreibt:

  • Bis zu zwei Nebensätze könnt ihr problemlos innerhalb eines Satzes stehen lassen, ohne dass er unübersichtlich wird. Aber die Nebensätze müssen sich beide auf den Hauptsatz beziehen.

Bsp.: Ich hasse es, was aus dir geworden ist, und dass du nun so etwas Schreckliches tust.

Achtung! Wenn ihr zwei verschiedene Subjunktionen verwendet und die Nebensätze mit einem „und“ voneinander abtrennt, sollte ein Komma davor stehen! Dadurch wird der Bezug des zweiten Nebensatzes auf den Hauptsatz klarer.

Einzige Ausnahme: Wenn ihr das gleiche Bindewort zweimal im Satz stehen habt, z.B.:  
Ich liebe an dir, dass du so ehrlich bist und dass du mir alles anvertraust.

  • Vermeidet Wiederholungen von Konjunktionen und Subjunktionen [1] sowie Relativpronomen (der, welcher, ...) und Fragewörter (warum, wo, ...). Formuliert also nicht vier- oder fünfmal hintereinander einen Satz mit „aber“. Vor allem für Subjunktionen gibt es oft alternative Formulierungen:
           aber = doch, jedoch, allerdings
           denn = weil, da
           darum = deshalb, deswegen

  • Wenn ihr Nebensätze richtig platziert, kommt es oft vor, dass einzelne Wörter zwischen zwei Kommas stehen. Das ist oft relativ unschön, wie ihr hier sehen könnt:

Bsp.: Das Letzte, woran ich mich erinnerte, war, dass man mich auf einer Trage abtransportiert hatte.

Auf den ersten Blick mag es so erscheinen, dass man es nicht anders formulieren kann. Aber mit ein wenig Kreativität (die ihr als Autoren haben müsst) kann man aus diesem Satz das hier machen:

Dass man mich auf einer Trage abtransportiert hatte, war das Letzte, woran ich mich erinnerte. / Meine letzte Erinnerung war, dass man mich auf einer Trage abtransportiert hatte.

Seht ihr? Ganz simpel ;)


Das sind quasi ein paar Erste-Hilfe-Hinweise. Natürlich gibt es weitere unschöne Satzkonstruktionen, die ein Lektor ändern wird. Aber Obiges wird ihm auf jeden Fall zuerst ins Auge stechen – genau wie den Lesern, solltet ihr ihnen etwas Unlektoriertes (oder schlecht Lektoriertes) präsentieren. Macht ihr all die genannten Fehler (oder viele davon), dann ist euer Schreibstil noch ziemlich unausgereift. Aber keine Sorge: Daran könnt ihr arbeiten.


Und ich hoffe, meine Tipps helfen euch dabei ;)

Sabrina S.

Nächsten Samstag geht es bei „Tipps einer Lektorin“ um Zitate und Namen – macht euch also schon mal mit diesen kleinen Dingern ‚‘ vertraut :)


[1] Zum Verständnis: Konjunktionen verbinden Hauptsätze miteinander, während Subjunktionen Nebensätze angliedern. Konjunktionen sind also Wörter wie „und“ bzw. „oder“, Subjunktionen so etwas wie „aber“, „denn“ oder „dass“.

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