Samstag, 26. März 2016

Wörtliche Rede 1 - Stil und Satz

Nachdem ich in den letzen drei Beiträgen die unterschiedlichen Beschreibungen und damit den Erzähltext abgehandelt habe, stelle ich euch heute ein paar Tipps zur wörtlichen Rede vor. So viel in Geschichten auch passiert, letztendlich leben sie doch von den Gesprächen der Figuren. Denn dadurch entwickeln sich die Beziehungen der Charaktere, was die Handlung in immer neue Bahnen lenkt.

Um dem gesprochenen Wort angemessen viel Bedeutung zu verleihen, muss sie auch formal gut aussehen. Das heißt, dass man Dialoge erst einmal mit Zeilenumbrüchen richtig gliedern muss. Nach jedem Sprecherwechsel muss eine neue Zeile gesetzt werden. Selbstverständlich gibt es auch hier eine Ausnahme:

„Das glaubst du doch nicht wirklich, oder?“, fragte Amy, woraufhin Dina mit einem schmollenden Unterton in der Stimme „Natürlich“ erwiderte.

Diese Variante ist in meinen Augen (und in denen einiger meiner Lektorenkollegen) allerdings ein Graus. Denn die wörtliche Rede in einen Erzählsatz zu packen, stellt uns vor formale Probleme. Soll ein Doppelpunkt vor den Einschub und ein Komma dahinter? Aber ist das nicht eigentlich falsch mitten im Satz? Und wie ist es mit der Großschreibung und Interpunktion des Einschubs?
Um zu vermeiden, dass der Lektor über all dem den Kopf verliert (und ich bin sicher, das wollt ihr als Autoren nicht), könnt ihr so etwas auch ganz einfach vermeiden:

„Das glaubst du doch nicht wirklich, oder?“, fragte Amy, woraufhin Dina mit einem schmollenden Unterton in der Stimme erwiderte: „Natürlich.“

Hier endet Amys wörtliche Rede damit, dass Dina ihr antwortet. Das alles ist ein Satz, also muss er in einer Zeile stehen bleiben. Noch besser sieht es allerdings so aus:

„Das glaubst du doch nicht wirklich, oder?“, fragte Amy.
Dina erwiderte daraufhin mit einem schmollenden Unterton in der Stimme: „Natürlich.“

Formal gesehen ist dieser Variante besser geeignet, da sie einen besseren Sprecherüberblick gewährt. Und so sollte auch stets fortgefahren werden.


Um euch weitere formale Unschicklichkeiten aufzuzeigen, hier ein Textbeispiel:

„Dina!“, schrie Amy und stürzte auf ihre Freundin zu. Sie fiel ihr um den Hals, als hätte sie Dina schon seit Jahren nicht mehr gesehen. „Mensch, wo hast du bloß gesteckt?“, wollte Amy wissen, als die Mädchen wieder in das Zimmer hineingegangen waren und sich gesetzt hatten.
„Ich war in dem Wald und habe mich versteckt. Ich wollte nicht, dass mich irgendjemand findet, weil ich erst einmal ein bisschen allein sein wollte“, antwortete Dina und tätschelte Asia, die sich vor ihren Füßen hingelegt hatte. „Und ich musste erst einmal nachdenken. Schließlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich wohl meiner Bestimmung hingeben muss, auch wenn sie mir nicht sonderlich gefällt“, fuhr Dina fort.
„Aber du musst mir doch gar nicht dienen! Du dienst mir doch schon genug, indem du meine Freundin bist. Und außerdem war die Leiterin noch gar nicht fertig mit ihrer Erklärung, als du das Zimmer verlassen hast“, teilte Amy ihrer Freundin mit.
„Ach, wirklich?“, fragte Dina verwundert, doch zugleich erleichtert.

Der Sprecherwechsel ist das Einzige, das hier richtig markiert wird durch Zeilenumbrüche. Ansonsten lassen sich typische Fehler finden. Obwohl man kaum von Fehlern sprechen kann, da es nur wenige festgesetzte Regeln gibt, wie ein Dialog auszusehen hat (dazu nächste Woche mehr).
Im Allgemeinen gilt mal wieder die Regel: Weniger ist mehr. Also sollte möglichst auf redende Verben wie „sagen“ verzichtet werden. Besser geeignet sind Handlungen, um darzustellen, wer spricht. Denn das ist der einzige Zweck der Erzähltexteinschübe zwischen der wörtlichen Rede.


Ich demonstriere euch am Beispiel oben, wie man redende Verben umgehen kann:

„Dina!“ Amy stürzte auf Dina zu und fiel ihr um den Hals, als hätte sie sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen. „Mensch, wo hast du bloß gesteckt?“, wollte Amy wissen, als die Mädchen wieder in das Zimmer hineingegangen waren und sich gesetzt hatten.
„Ich war in dem Wald und habe mich versteckt. Ich wollte nicht, dass mich irgendjemand findet, weil ich erst einmal ein bisschen allein sein wollte.“ Dina tätschelte Asia, die sich vor ihren Füßen hingelegt hatte. „Und ich musste erst einmal nachdenken. Schließlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich wohl meiner Bestimmung hingeben muss, auch wenn sie mir nicht sonderlich gefällt“, fuhr Dina fort.
„Aber du musst mir doch gar nicht dienen! Du dienst mir doch schon genug, indem du meine Freundin bist. Und außerdem war die Leiterin noch gar nicht fertig mit ihrer Erklärung, als du das Zimmer verlassen hast“, teilte Amy ihrer Freundin mit.
„Ach, wirklich?“, fragte Dina verwundert, doch zugleich erleichtert.

An zwei Stellen habe ich die redenden Verben entfernt und sie durch die Handlungen ersetzt, die ich ohnehin bereits dort stehen hatte. Beides braucht man eigentlich nie, es sei denn es ist wichtig, wie eine Person etwas sagt. An dieser Stelle ist das jedoch nicht der Fall, denn dass Amy schreit, als sie ihre Freundin nach deren Verschwinden wiedersieht, stellt sich der Leser im Kopfkino ohnehin vor.
Solltet ihr keine Handlung dort stehen haben, dann fügt einfach eine ein. Nicken, den Kopf schütteln, die Schultern zucken, sich durch die Haare fahren – es gibt hunderte von Möglichkeiten! Und wenn ihr eine Figur eine Geste oder Mimik im Laufe der Geschichte öfters wiederholen lasst, definiert sie das und gibt ihr ein spezielles Merkmal, das sich die Leser merken werden. Und wenn etwas im Gedächtnis bleibt, ist das meistens gut.


Auf den zweiten Durchgang merzen wir doppelte redende Verben in der wörtlichen Rede einer Figur aus:

„Dina!“ Amy stürzte auf Dina zu und fiel ihr um den Hals, als hätte sie sie schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie zog ihre Freundin in das Zimmer hinein und sie setzten sich auf das Bett. „Mensch, wo hast du bloß gesteckt?“
„Ich war in dem Wald und habe mich versteckt. Ich wollte nicht, dass mich irgendjemand findet, weil ich erst einmal ein bisschen allein sein wollte.“ Dina tätschelte Asia, die sich vor ihren Füßen hingelegt hatte. „Und ich musste erst einmal nachdenken. Schließlich bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mich wohl meiner Bestimmung hingeben muss, auch wenn sie mir nicht sonderlich gefällt.“
„Aber du musst mir doch gar nicht dienen! Du dienst mir doch schon genug, indem du meine Freundin bist. Und außerdem war die Leiterin noch gar nicht fertig mit ihrer Erklärung, als du das Zimmer verlassen hast“, teilte Amy ihrer Freundin mit.
„Ach, wirklich?“, fragte Dina verwundert, doch zugleich erleichtert.

Wie bereits erwähnt, die redenden Verben oder die Handlungen der Figuren in der wörtlichen Rede dienen dazu, den Sprecher darzustellen. Sobald eine Figur zweimal spricht, bleibt die wörtliche Rede in derselben Zeile. Also muss am Ende nicht noch einmal der Sprecher markiert werden. Insofern raus damit!


Im dritten Durchgang gibt es noch eine Änderung, die wir vornehmen können (allerdings nicht müssen):

„Aber du musst mir doch gar nicht dienen! Du dienst mir doch schon genug, indem du meine Freundin bist“, sagte Amy. „Und außerdem war die Leiterin noch gar nicht fertig mit ihrer Erklärung, als du das Zimmer verlassen hast.“
„Ach, wirklich?“, fragte Dina verwundert, doch zugleich erleichtert.

Wenn Themenwechsel innerhalb des Gesagten vorkommen, dann sollte man sie voneinander abgrenzen. Das geht mit redenden Verben oder Handlungen sehr einfach, wie ihr hier sehen könnt. An der Stelle, wo nun das „sagte Amy“ steht, könnte auch ein Gedanke Platz finden. Auch dieser darf ruhig zwischen der wörtlichen Rede stehen:

„Aber du musst mir doch gar nicht dienen! Du dienst mir doch schon genug, indem du meine Freundin bist.“ Worüber Amy auch wirklich froh war. „Und außerdem war die Leiterin noch gar nicht fertig mit ihrer Erklärung, als du das Zimmer verlassen hast.“ 

Wenn ihr Gedanken noch weiter ausführen wollt inmitten eines Gesprächs, ist das natürlich auch kein Problem. Aber wenn eine Figur etwas sagt, anschließend zeilenlang denkt und dann erst weiterredet, dann wäre es ratsam, so vorzugehen:

„Aber du musst mir doch gar nicht dienen! Du dienst mir doch schon genug, indem du meine Freundin bist.“
Darüber war Amy auch sehr froh. Sie hätte es nicht ertragen können, wenn Dina nicht wiedergekommen wäre. Aber das hätte Miss Ahova bestimmt nicht zugelassen. Beim Gedanken an die Direktorin der Schule fiel ihr etwas ein.
„Und außerdem war die Leiterin noch gar nicht fertig mit ihrer Erklärung, als du das Zimmer verlassen hast.“

In diesem Fall kann man die wörtliche Rede einer Figur in mehrere Zeilen schieben. Die Gedanken in der Mitte weisen darauf hin, dass Amy diejenige ist, die redet. Wäre es Dina, hätte man das markieren. So beugt man Missverständnissen vor.

Aber Achtung! Den letzten Satz keinesfalls noch in die Zeile zuvor setzen! Denn das macht den Eindruck, als würde ein Sprecherwechsel stattfinden, der gar nicht da ist.


Sind allerdings nur zwei Personen in der Szene anwesend und das Gespräch geht hin und her, kann man den Sprecherhinweis auch kurzzeitig komplett weglassen. Das solltet ihr jedoch nicht so lange machen, dass der Leser irgendwann doch den Überblick verliert. Als Richtwert würde ich 3 – 5 vorschlagen, je nachdem, wie lang die wörtliche Rede ist. Bei kurzen Sätzen geht es auch häufiger, dann bekommt ihr einen raschen Wortwechsel. (Falls ihr die Serie „Gilmore Girls“ kennt, die Gespräche dort würden literarisch wohl so abgebildet werden.)


Sabrina S.

Weitere Hinweise zur wörtlichen Rede, vor allem was die Zeichensetzung und die redenden Verben angeht, gibt es nächste Woche bei „Tipps einer Lektorin“!

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