Samstag, 5. März 2016

Beschreibungen 2 - Personen

Nachdem ihr nun wisst, wie man Landschaften und Gegenstände lebendig beschreiben kann, komme ich heute zu den Personen. Dies ist eindeutig kniffliger, deshalb versuche ich so detailliert wie möglich, darauf einzugehen. (Den Artikel über Gefühle gibt es dann erst nächste Woche.)
Die Schwierigkeit von Personenbeschreibungen in Texten beruht darauf, dass wir Autoren dazu neigen, genaue Bilder jeder einzelnen Figur vor Augen zu haben. Diese beschreiben wir dann ausführlich, damit der Leser dieselbe Person sieht. Dabei ist das alles andere als sinnvoll. Der Grund dafür ist einfach:

Wenn zu viele Informationen aufeinander folgen, kann man diese nicht alle aufnehmen.

Natürlich gibt es häufig Erklärungsszenen, aber diese bestehen meist aus wörtlicher Rede. Das heißt, sie sind von Handlungen und Interaktionen durchsetzt. Das macht es einfacher, das Neue zu filtern und im Gedächtnis zu behalten.

Die Faustregel bei Personenbeschreibungen besteht also darin, sie aufzuteilen. Einzelne Sätze einzustreuen, die Haarfarbe, Frisur, Augenfarbe, Statur, Kleidungsstil, Make-up usw. betreffen. Meistens registriert man ohnehin nicht alles auf einmal. Der erste Blick gilt meistens der Statur, dem folgen Haarfarbe und Frisur. 

Die Augenfarbe fällt meistens erst viel später auf, auch wenn sie in Büchern für ziemlich wichtig genommen wird. Wenn ihr sie nennt, müsst ihr besonders darauf achten, wie groß die Entfernung zwischen den Figuren ist. Denn oft reichen wenige Meter Abstand, damit man die Augenfarbe nicht mehr deutlich erkennen kann. Und vor allem wenn man Sprenkel oder dergleichen sieht, muss man wirklich sehr nah bei dem anderen stehen/sitzen/liegen. Und mal ernsthaft: Man kommt nicht jeder x-beliebigen Person so nah, dass man jeden hellen Fleck in den braunen Augen sehen kann.
Die Augenfarbe sollte demnach vor allem eine wichtige Rolle spielen, wenn sich zwei Menschen sowohl körperlich als auch emotional näherkommen. Beim Sich-Verlieben ist es immer sinnvoll, auf die Augenfarbe des anderen hinzuweisen, vor allem wenn man sich tief in die Augen schaut. Unter normalen Umständen jedoch sollte die Augenfarbe eher zur Nebensache werden.

Was den Kleidungsstil betrifft, ist der oft unwichtig. Es sei denn die Person hat einen außergewöhnlichen Stil, dann ist es auf jeden Fall erwähnenswert. Ansonsten will der Leser nicht wissen, ob die Lehrerin Frau Schneider eine blaue oder rote Bluse trägt. Selbst dass es eine Bluse ist, muss man nicht unbedingt erwähnen. Sonst säße man vor seiner Geschichte und würde sich alle fünf Minuten fragen: „Was trägt dieser Charakter und warum?“
Diese Frage für alle Figuren zu beantworten, würde allein schon mehrere Seiten füllen und wir wollen ja eine belletristische Geschichte schreiben und keinen Artikel für ein Modemagazin.

Ein Beispiel, wie ihr es nicht machen solltet, habe ich in „Die Kraft der Elemente“ gefunden:

Das Mädchen hatte zerzauste, hellbraune Haare, die ihr ständig ins Gesicht fielen. Außerdem trug sie einen braunen Pullover, trotz der Hitze, die in den Räumen herrschte, dazu eine zu kurze blaue Jeans. Das Einzige, das Amy an ihr faszinierte, waren ihre grasgrünen Augen, die im Moment von Angst gezeichnet waren, aber normalerweise sehr gutherzig sein mussten.

Hier werden auf einen Schlag Haarfarbe, Frisur, Kleidung und Augenfarbe beschrieben. Dazu nimmt die Protagonistin und Erzählerin Amy gleich noch eine Wertung vor. Das ist kein Tabu, da Menschen dazu neigen, andere anhand des Äußeren zu bewerten. Aber bitte fügt keine komplette Analyse ein. Die wird später meistens ohnehin revidiert und dann hat der Leser all die Vermutungen umsonst lesen müssen.

Die Erzählerfigur zu beschreiben, ist noch mal eine ganz andere Angelegenheit. Denn vor allem das Gesicht sieht man ja nicht selbst. Hier solltet ihr euch in Acht nehmen vor zu klischeehaften Möglichkeiten, darunter fällt der klassische Blick in den Spiegel. Besser ist es, sich durch die blonden/braunen/schwarzen/roten Haare zu fahren, sie aus dem Gesicht zu streifen oder zusammenzubinden (falls möglich). Die Augenfarbe sollte am besten durch einen Kommentar von jemand anderem offenbart werden. Was Statur, Frisur und besondere Merkmale betrifft, kann man die nebenbei mal erwähnen. An welcher Stelle es passt, das müsst ihr selbst entscheiden.

Falls ihr euch noch an den ersten Beitrag über Romananfänge erinnert, kommen euch diese Sätze bestimmt bekannt vor:

Es [das Mädchen] hieß Amy Fewa und war vierzehn Jahre alt. Seine braunen Haare hingen ihm fast bis auf die Schultern und es hatte auffällige meerblaue Augen.

So was wollen Lektoren keinesfalls sehen, selbst mit einem auktorialen Erzähler nicht. Frisur, Haar- und Augenfarbe in einem Satz. Dazu dieses „auffällige“ klingt ziemlich arrogant. Und bei der Nennung des eigenen Namens kann ich nur sagen: Auf keinen Fall!
Das geht nur unter bestimmten Umständen und ist dann meistens mit einem Ich-Erzähler verknüpft. Namen solltet ihr also dringend durch andere Figuren offenbaren. Wahlweise funktioniert es auch, den vollständigen Namen auf irgendwelchen Unterlagen zu sehen. Da könnt ihr eure Kreativität spielen lassen.

Zum Schluss dieses Artikels über Personenbeschreibungen gebe ich euch noch ein paar Hinweise mit auf den Weg:

  • Beschreibungen vom Aussehen oder speziellen Merkmalen nicht zu oft wiederholen. Wenn bei jeder Begegnung von den „strahlend blauen Augen“ die Rede ist, geht das dem Leser irgendwann auf die Nerven. (Wie gesagt: Die Leser sind nicht dumm. Traut ihnen ruhig zu, sich Dinge zu merken.)
  • Beschreibt nicht alle Äußerlichkeiten der Figuren, es sei denn sie sind immens wichtig. Der Leser kann sich anhand des Charakters selbst ein Bild machen, welchen Kleidungsstil jemand hat oder was für Make-up ein Mädchen auflegt.
  • Wenn eine Gruppe von neuen wichtigen Leuten auftaucht, bitte nicht jeden Einzelnen hintereinander beschreiben, sonst bekommt ihr einen Textklotz (ihr erinnert euch bestimmt an den Ausdruck). Beschränkt euch auf das auffälligste Merkmal, z.B. die Sonnenbrille, die Glatze, das Tattoo am Arm. Dann verliert man nicht so leicht den Überblick.
  • Bitte keine Ausdrücke wie „die Braunhaarige“ oder „der Schwarzhaarige“. Taucht eine Figur nur ganz am Rande auf und ist sie so unwichtig, dass sie keinen Namen braucht, dann ist das okay. Aber bitte nicht im Bezug auf Hauptpersonen, die solltet ihr lieber beim Namen nennen.

So, genug über Äußerlichkeiten geredet. Jetzt dürft ihr eure Geschichten mal auf die obigen Punkte nachprüfen. Ich wette, irgendeinen dieser Fehler findet ihr bestimmt. In meinen ersten beiden Romanen wimmelt es jedenfalls von diesen schlimmen Beschreibungen.
Besser umgehen kann ich eindeutig mit den Schilderungen von Gefühlen, also schaut gerne nächsten Samstag wieder vorbei und erfahrt mehr über dieses Thema ;)

Sabrina S.

Kommentare:

  1. Liebe Sabrina,

    wieder ein interessanter und wissenswerter Beitrag. Das mit den Augenfarben hat mich schon häufiger gestört, wenn die Chraktere gar nicht so dicht beieinander standen. Gut, dass das anscheinend auch anderen auffällt. ;) Dachte schon, das wäre eine geheime Sonderregel unter Liebesromanautoren. :D

    Was die Ausdrücke "der Braunhaarige", "die Blauäugige" usw. angeht, stimme ich dir zu. Grundsätzlich sind solche Bezeichnungen eher schlecht und unpassend. Man kann sie aber auch sinnvoll verwenden, von daher würde ich sie nicht verteufeln. ;) Nehmen wir z.B. eine Kussszene oder einen Fast-Kuss. Prota 1 und 2 sind sich nahe, irgendwas passiert und sie schrecken auseinander. Um die Distanz zu verdeutlichen, könnte man da auch "den Braunhaarigen" als Beschreibung benutzen. Dann würde nicht nur inhaltlich eine Distanz aufgebaut, sondern auch durch die Sprache, weil sich der Fokus ändert. :) Was sagst du dazu?

    Liebe Grüße
    Lisa

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    1. Liebe Lisa,

      das mit den Augenfarben ist wirklich so eine Sache in Liebesromanen. Da scheinen oft alle Regeln vergessen zu sein, Hauptsache die Augen leuchten so schön :P

      Wegen "der Braunhaarige" und Co. würde ich dabei bleiben, sie nur zu verwenden, wenn man den Namen des anderen nicht weiß. Man kann zwar - wie du so schön gesagt hast - mit der Sprache eine besondere Wirkung erzielen, aber bei deinem Beispiel würde ich trotz allem davon abraten. Da herrscht dann nicht nur Distanz zwischen den beiden, sondern auch eine Anonymität. Auf mich würde das so wirken, als wäre die Haar- oder Augenfarbe wichtiger als die Person selbst. Oder als stünde z.B. noch ein Schwarzhaariger daneben und man müsse extra betonen, dass man den Braunhaarigen (fast) geküsst hat.

      Ich hoffe, du kannst meine Argumentation nachvollziehen ;)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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