Samstag, 6. Februar 2016

Zeilenumbrüche

Die optische Strukturierung eines Textes ist das A und O eines guten ersten Eindrucks. Darum sollte man diese als Autor nicht vernachlässigen. Denn nicht alle Manuskripte werden noch professionell gesetzt, es sei denn man veröffentlicht über einen Verlag. Selfpublisher hingegen werden es vorziehen, ihre Texte selbst in die richtige Form zu bringen, oder ihren Lektor darum bitten, auf Absätze und Zeilenumbrüche zu achten. Nicht jeder Lektor macht das kostenlos, aber extra jemanden zu engagieren, der das Manuskript setzt, könnte unter Umständen noch teuerer werden. Also wäre es empfehlenswert, sich bestimmte Formalia anzueignen, um Übersicht in die Geschichte zu bringen.

Als ich mit dem Schreiben begann, waren Zeilenumbrüche für mich ein Fremdwort. Die erste Fassung von "Die Kraft der Elemente" sah aus wie in Blocksatz geschrieben. Damit euch das nicht passiert, habe ich aus DEVD eine Stelle herausgesucht, die noch nicht optimal gesetzt ist. Bevor ihr euch meine überarbeitete Lösung anseht, überlegt selbst, wo noch Zeilenumbrüche hingehören könnten:

Zu Hause angekommen, stieg Sam wieder vom Fahrrad und schob es in die Garage. Dabei wunderte sie sich, dass das ganze Gerümpel verschwunden war. Sonst stapelte sich dort immer eine Menge altes Zeug. Sie zuckte die Schultern und stellte ihr Fahrrad ab. Dann holte sie den Schlüssel aus der Hosentasche und sperrte die Haustür auf. Sam zog ihre Sandalen aus und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Danach ging sie in die Küche.
„Hallo, Mama“, rief sie der Frau zu, die am Herd stand und in einem Topf rührte. Sie hieß mit Vornamen Danica, hatte kurze dunkelblonde Haare und trug eine grüne Schürze. Aus Spaß zog sie ihre Tochter immer wegen ihrer hellen blonden Haare auf, indem sie sie als zitronenfarben bezeichnete. Dabei empfand Sam sie als ganz normal blond.
„Hallo, Schätzchen. Setz dich, das Essen ist gleich fertig“, erwiderte die Frau und stellte den Topf auf einen Untersetzer. Sam nahm am Tisch Platz, nachdem sie ihre Schultasche auf den Boden neben den Gang zum Wohnzimmer geworfen hatte. Ihre Mutter setzte sich ihr gegenüber und füllte jedem von ihnen einen Teller voll mit Suppe. Danica konnte super kochen, deshalb arbeitete sie in einem Restaurant in der Stadtmitte.
Nachdem sie eine Weile schweigend gegessen hatten, fing ihre Mutter an zu reden. „Sam, ich hab eine Neuigkeit. Ich wurde bei meiner Arbeit versetzt.“


Dieser kurze Textausschnitt ist inhaltlich nicht sonderlich spannend, man könnte auch noch einiges verbessern oder rauskürzen (in der halb überarbeiteten neueren Fassung existiert er auch gar nicht mehr). Doch darauf gehe ich jetzt nicht ein. Wichtiger ist mir die Struktur dieser Sätze. Denn es fehlen noch ein paar Zeilenumbrüche, damit der Text nicht so sperrig aussieht:

Zu Hause angekommen, stieg Sam wieder vom Fahrrad und schob es in die Garage. 
Dabei wunderte sie sich, dass das ganze Gerümpel verschwunden war. Sonst stapelte sich dort immer eine Menge altes Zeug.
Sie zuckte die Schultern und stellte ihr Fahrrad ab. Dann holte sie den Schlüssel aus der Hosentasche und sperrte die Haustür auf.
Sam zog ihre Sandalen aus und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Danach ging sie in die Küche.
„Hallo, Mama“, rief sie der Frau zu, die am Herd stand und in einem Topf rührte.
Sie hieß mit Vornamen Danica, hatte kurze dunkelblonde Haare und trug eine grüne Schürze.
Aus Spaß zog sie ihre Tochter immer wegen ihrer hellen blonden Haare auf, indem sie sie als zitronenfarben bezeichnete. Dabei empfand Sam sie als ganz normal blond.
„Hallo, Schätzchen. Setz dich, das Essen ist gleich fertig“, erwiderte die Frau und stellte den Topf auf einen Untersetzer.
Sam nahm am Tisch Platz, nachdem sie ihre Schultasche auf den Boden neben den Gang zum Wohnzimmer geworfen hatte.
Ihre Mutter setzte sich ihr gegenüber und füllte jedem von ihnen einen Teller voll mit Suppe. 
Danica konnte super kochen, deshalb arbeitete sie in einem Restaurant in der Stadtmitte.
Nachdem sie eine Weile schweigend gegessen hatten, fing ihre Mutter an zu reden. 
„Sam, ich hab eine Neuigkeit. Ich wurde bei meiner Arbeit versetzt.“


Habt ihr den Unterschied bemerkt? Dieser Text wirkt länger, aber auch übersichtlicher. Themen werden sortiert, wörtliche Rede wird voneinander abgegrenzt. Und was noch viel wichtiger ist: Jeder Charakter bekommt seinen eigenen kleinen Absatz.

Doch nun kommt das große ABER: In dieser Version befinden sich zu viele Zeilenumbrüche! 

Zu viel gibt’s nicht? Von wegen! Denn wenn ihr alle Handlungen und die wörtliche Rede abgrenzt, fehlen irgendwie die Zusammenhänge. Außerdem machen wir ständig was anderes, jedes Mal eine neue Zeile anzufangen, wäre zu viel. Im Extremstfall würde es dann so aussehen:

Sie zuckte die Schultern und stellte ihr Fahrrad ab.
Dann holte sie den Schlüssel aus der Hosentasche und sperrte die Haustür auf.
Sam zog ihre Sandalen aus und schlüpfte in ihre Hausschuhe.
Danach ging sie in die Küche.

Das hier solltet ihr nur machen, wenn ihr Bilderbücher mit kurzen Textpassagen ausstattet. In reinen Erzähltexten reiht ihr besser Satz an Satz. Es sähe ja auch merkwürdig aus, wenn so viele kurze Sätze hintereinander stehen würden – schließlich wird nach einem Zeilenumbruch ja meistens eingerückt. Und das gäbe kein gutes Gesamtbild ab.


So, nun will ich euch aber nicht länger auf die Folger spannen. Hier ist die ideal strukturierte Version:

Zu Hause angekommen, stieg Sam wieder vom Fahrrad und schob es in die Garage. Dabei wunderte sie sich, dass das ganze Gerümpel verschwunden war. Sonst stapelte sich dort immer eine Menge altes Zeug.
Sie zuckte die Schultern und stellte ihr Fahrrad ab. Dann holte sie den Schlüssel aus der Hosentasche und sperrte die Haustür auf. Sam zog ihre Sandalen aus und schlüpfte in ihre Hausschuhe. Danach ging sie in die Küche.
„Hallo, Mama“, rief sie der Frau zu, die am Herd stand und in einem Topf rührte.
Sie hieß mit Vornamen Danica, hatte kurze dunkelblonde Haare und trug eine grüne Schürze. Aus Spaß zog sie ihre Tochter immer wegen ihrer hellen blonden Haare auf, indem sie sie als zitronenfarben bezeichnete. Dabei empfand Sam sie als ganz normal blond.
„Hallo, Schätzchen. Setz dich, das Essen ist gleich fertig“, erwiderte die Frau und stellte den Topf auf einen Untersetzer.
Sam nahm am Tisch Platz, nachdem sie ihre Schultasche auf den Boden neben den Gang zum Wohnzimmer geworfen hatte. Ihre Mutter setzte sich ihr gegenüber und füllte jedem von ihnen einen Teller voll mit Suppe. Danica konnte super kochen, deshalb arbeitete sie in einem Restaurant in der Stadtmitte.
Nachdem sie eine Weile schweigend gegessen hatten, fing ihre Mutter an zu reden. „Sam, ich hab eine Neuigkeit. Ich wurde bei meiner Arbeit versetzt.“


Hier werden Ereignisse zusammengehalten, die zusammengehören.
  1. Sam in der Garage.
  2. Sam betritt das Haus.
  3. Sam begrüßt ihre Mutter Danica.
  4. Informationen zu Danicas Aussehen im Vergleich der Haarfarben zwischen Mutter und Tochter.
  5. Danica begrüßt ihre Tochter.
  6. Sam und Danica bereiten sich aufs Essen vor.
  7. Nachdem sie einige Zeit gegessen und geschwiegen haben, verkündet Danica eine Neuigkeit.

Manchmal könnte man einzelne Sätze wirklich noch abspalten von der thematischen Struktur her (vgl. der Satz über Danicas Job oder der Satz darauf). Aber einzelne Sätze sollte man nur stehen lassen, wenn sie extrem betont werden sollen. Das ist bei keinem der beiden Fall, also kann man sie an thematisch ähnliche Sätze anhängen.
Außerdem sollte wörtliche Rede immer in der gleichen Zeile stehen, wie die Handlung der sprechenden Figur. Egal, ob zuvor bereits ein redendes Verb steht oder nicht. (Mehr über die wörtliche Rede erfahrt ihr in einem späteren Beitrag.)

Sabrina S.

Nächste Woche erfahrt ihr mehr über Überleitungen zwischen einzelnen Sätzen oder auch ganzen Erzählpassagen. Denn diese helfen immens dabei, den Lesefluss aufrecht zu erhalten.

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