Dienstag, 2. Februar 2016

"Es ist inakzeptabel, von anderen Autoren abzuschreiben."

Jetzt ist es zwar schon wieder eine Weile her, seitdem der Plagiatsskandal in der Literaturbranche umgegangen ist, aber ich greife das Thema (wie versprochen) noch einmal auf.

Von vornherein stelle ich klar, dass ich niemandem direkte Vorwürfe machen werde, da ich die einzig wahre Wahrheit nicht kenne. Aber ich habe mir natürlich ein paar Gedanken dazu gemacht, wie es überhaupt zu solchen Vorfällen kommen kann.

Und natürlich finde ich es absolut inakzeptabel, von anderen Autoren abzuschreiben – das steht gar nicht zur Debatte.

Die Gründe dafür sind allerdings ein Streitthema. Bereits in meinem Facebook-Beitrag zum Thema habe ich gemutmaßt, dass der Druck auf Autoren eventuell zu groß sein könnte. Dabei geht es nicht nur um Selfpublisher, sondern auch um Verlagsautoren. Denn wenn man eine Zeit lang nichts veröffentlicht, gerät man schnell wieder in Vergessenheit. Das hat nichts damit zu tun, ob man seinen eigenen Weg geht oder über einen Verlag veröffentlicht.

Klar, Selfpublisher haben einen anderen Druck als Verlagsautoren, doch letztendlich läuft es auf dasselbe hinaus. Und besonders im Hinblick auf die Selfpublisher kommt oft Kritik auf, dass manche Werke eigentlich nicht gut genug für eine Veröffentlichung seien. Dagegen kann ich nichts sagen, seitdem jeder alles veröffentlichen kann, ist die Qualität nicht mehr so wichtig wie die Quantität. Man sagt ja auch, ein Selfpublisher müsste jedes Vierteljahr etwas Neues herausbringen, damit er nicht in Vergessenheit gerät und gleichzeitig (eventuell) genug verdient, um davon leben zu können.

Vielleicht ist das genau das Problem. Manchen Autoren scheint es irgendwann nur noch um Bekanntheit und Geldverdienen zu gehen, was schade ist. Denn meiner Meinung nach sollte es beim Schreiben um keins von beiden gehen. Es sind mehr als nette Nebenverdienste, aber sollten nicht die Geschichten im Vordergrund stehen? Geht es nicht eigentlich vielmehr um die Texte als um den Autor? Wollen wir uns wirklich wie manche Prominente aufführen? Und das, obwohl wir wissen, dass wir nie einen solchen Status erlangen werden? (Oder würdet ihr Bestsellerautoren als Promis bezeichnen? Ich jedenfalls nicht.)

Na ja, zurück zum Thema. Wenn ein Autor von einem anderen abschreibt, könnte das auch an einem vorübergehenden Mangel an Kreativität liegen. Viele Schriftsteller bekommen Blockaden, müssen (oder wollen) trotzdem Veröffentlichungstermine einhalten. Eigentlich wäre es dann die einfachste Lösung, Passagen anderer zu übernehmen und in den Kontext einzufügen. Ein wenig überarbeiten, damit es mehr nach dem eigenen Stil klingt, und prompt hat man eine fertige Szene.

Solch ein Vorgehen findet man auch oft, wenn Autoren versuchen, die Schreibstile anderer zu kopieren. Szenen abschreiben und dann daran herumbasteln.
Ich weiß ehrlich nicht, wie das funktionieren soll. Jeder hat seinen eigenen Stil, wie soll man es schaffen, wie ein anderer zu schreiben? Ich könnte nie und nimmer etwas Humoristisches schreiben, und wenn ich mich an anderen Autoren orientieren würde, die es können, würde ich irgendwelche Ausdrücke übernehmen müssen. Und das wäre dann ja bereits wieder ein Plagiat.

Das Schlimmste an diesem ganzen Thema ist ja, dass die Leser das Vertrauen in die Autoren verlieren. Damit gräbt man sich doch selbst eine Grube. Denn wenn das rauskommt, dann kauft kaum noch einer die Werke des Autors. Ein (auch nur zum Teil) abgeschriebenes Buch ist demnach wie ein schlechtes, nur dass man seinen Ruf komplett ruiniert. Letztlich hat man davon nichts Positives – außer Publicity. Und die bringt einem dann auch nichts mehr.

Wie bereits gesagt, ich kenne die Wahrheit nicht. Vielleicht würde so mancher auch sagen, ich hätte keine Ahnung von Veröffentlichungsdruck, Bekanntheit und Geldverdienen. Doch da irrt er sich.
Ich weiß, wie es ist, wenn man nicht genug Geld zum Leben hat. Als unveröffentlichte Romanautorin muss ich außerdem stets darum kämpfen, überhaupt als Autorin wahrgenommen zu werden. Nur die Erfahrung mit dem Veröffentlichungsdruck spare ich mir bewusst. Denn ich weiß, wie schnell man weg vom Fenster sein kann. Und ich weiß, wie lange ich teilweise für einen Roman brauche. Da würde es kaum was bringen, jetzt mit dem Veröffentlichen anzufangen. Da bewahre ich mir lieber die Freude und Leichtigkeit am Schreiben.

Und ehrlich gesagt glaube ich, dass die Liebe zum kreativen Schreiben der entscheidende Punkt ist. Ist sie stark genug, wird man nicht zum Abschreiben verleitet. Ist sie es nicht, schätzt man diese Tätigkeit nicht so sehr wert, wie man es als Autor sollte.

Mit enttäuschten Grüßen

Sabrina S.

Kommentare:

  1. Genau so sehe ich das auch. Alles kommt irgendwann raus, es ist ein Verbrechen an den Lesern und an Kollegen.
    Der Erwartungsdruck ist natürlich hoch, das haben alle Künstler. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen die Sache entschärfen könnte. Zumindest wäre dann die Existenzangst weg. Vier Bücher im Jahr sind wirklich ziemlich happig, je nachdem, wie viel man als Selfpublisher selbst macht und ob man nebenbei noch sein Brot verdienen muss. Alles sehr krass ...

    Liebe Grüße, Tinka :)

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    1. Ich denke, es ist außergewöhnlich schwer, eine Lösung gegen den Druck zu finden.
      Und ja, vier Bücher im Jahr sind wirklich viel. Ich bin froh, wenn ich eins im Jahr schaffe ;)

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