Samstag, 27. Februar 2016

Beschreibungen 1 - Landschaften und Gegenstände

Autoren zeigen gerne, wie gut sie mit der Sprache umgehen können. Besonders nützlich sind in dieser Hinsicht Beschreibungen, denn bei ihnen kann sich der Autor austoben. Vergleiche, Metaphern, Sinneseindrücke, Adjektive – nichts scheint verboten zu sein, um dem Leser Bilder vor Augen zu führen. Dem zu widersprechen, würde nicht besonders glaubwürdig klingen, aber es gibt trotzdem Faktoren, auf die man bei Beschreibungen achten sollte. Denn auch wenn alles erlaubt ist, heißt das nicht, dass man alle Möglichkeiten ausschöpfen sollte.

In der Regel gilt: Beschreibungen kurz halten.

Denn einen endlosen Text, in der jede Blume auf der Wiese beschrieben wird, will keiner lesen (es sei denn es handelt sich um ein Fachbuch über Blumenarten). Darum sollte man sich auf das Wesentliche fokussieren. Auffälliges und Merkwürdiges sollte hervorgehoben werden. Es ist kein Drama, wenn man die Fassade eines Hauses beschreibt, das aussieht wie jedes andere. Doch genau das sollte das Auffällige sein, sonst müsste man es nicht schildern. Meistens versteckt sich darin das Außergewöhnliche, was einen Kontrast zum Äußeren hervorruft, der markiert werden soll.

Meine Beispiele gliedere ich dieses Mal auf, da der Beitrag sonst zu lang werden würde. Der erste Teil betrifft Beschreibungen von Landschaften und Gegenständen, den zweiten über Personen und Gefühle gibt es dann nächste Woche.


Aber nun zum Beispiel für die Landschaften:

Saphira war einige Schritte in einen kleinen Gang hinein gebogen, der schräg nach oben führte. Am Ende, vor einer weiteren Felswand, befand sich ein fast quadratischer Stein, der Saphira bis ungefähr zu den Hüften ging. Ein weiterer rechteckiger lag darauf.
„Seht euch das an, da ist eine Einkerbung in dem oberen und Risse, die alle darauf zu führen.“ Sie deutete auf die dunkelgrauen Linien, die sich durch den Fels schlängelten.
„Und auf der Oberseite des unteren ist ein W reingeritzt“, stellte ihre Schwester fest und streckte ihre Hand danach aus.

Zugegeben, eine wirkliche Landschaft stellt die Beschreibung nicht dar, aber sie erfüllt denselben Zweck. Wie ihr seht, ist die Beschreibung der Umgebung mit der des seltsamen Felsens verknüpft. Man geht vom Großen zum Kleinen über, das ist grundsätzlich eine gute Taktik, da Details meistens erst später auffallen.
Außerdem habe ich die Beschreibung nicht als reinen Erzähltext verfasst, sondern mit wörtlicher Rede durchzogen. So erleben andere Figuren und der Leser gleichzeitig mit, was eine Person sieht. Außerdem können die Charaktere mithilfe anderer Gesehenes reflektieren. So werden Auffälligkeiten schneller analysiert, man entscheidet gemeinsam, wo man hingeht und so weiter und so fort.
Dadurch wird die Aufmerksamkeit des Lesers gebannt, der Text besitzt Struktur und wirkt übersichtlicher. Einen Klotz an Text wird man eher überfliegen als wirklich lesen, denn er macht eher den Eindruck eines Textes in einem Fachbuch. (Ich weiß, wovon ich rede, ich sichte gerade Literatur für meine Bachelorarbeit …)


Da ich euch keinen Textklotz anbieten will, kommt hier auch schon das Beispiel für die Gegenstände:

Auf einem ihrer Regale lag ein ovales Ding und glänzte im Morgenlicht. Sam ging darauf zu und begutachtete es. Ihr fiel auf, dass es dunkelgrün war und es sah aus, als würde etwas darin schimmern. Wie ein Feuer tanzte es in dem Teil. Verständnislos blickte sie hinab und erkannte erstaunt, dass es ein Edelstein war, der vor ihr lag. Genauer gesagt ein Smaragd. Woher kam dieses Ding? Sie hatte noch nie etwas so Wertvolles besessen.

Diese Beschreibung ist in der Hinsicht besonders, da erst nicht verraten wird, was überhaupt beschrieben wird. Kaum wird es offenbart, reflektiert Sam bereits darüber, wo es herkommen könnte. Beschreibungen kann man also nicht nur mit wörtlicher Rede lebendiger gestalten, sondern auch mit den Gedanken einer Figur. Diese sollten allerdings nicht ausufern (Vorsicht vor dem Textklotz!).


Viel genauer will ich gar nicht auf Details in meinen Beispielen eingehen. Denn alles Beschriebene ist anders, man kann keine Regeln festmachen. Klar, ich könnte jetzt sagen, benutzt nicht in jedem Satz ein neues Adjektiv. Denkt euch nicht für jedes Phänomen eine Metapher aus. Oder übertreibt es nicht mit Synonymen für „sehen“. Doch letztendlich bleibt euch das überlassen. Denn Beschreibungen kennzeichnen oft den Schreibstil, eben weil man so viele Möglichkeiten hat.

Das Einzige, was ich euch wirklich ans Herz lege, ist Folgendes: Übertreibt es mit den Beschreibungen nicht! Der Leser soll und darf in seiner Vorstellungskraft nicht eingeschränkt werden!

Also kürzt Beschreibungen von der Länge und Anzahl her, wo es nur geht. Schließlich stehen das Geschehen und die Figuren im Vordergrund. Nicht das Nachbarhaus, nicht der Teich im Garten und schon gar nicht der Blumentopf auf dem Fensterbrett.

Sabrina S.

Kommentare:

  1. Liebe Sabrina,

    ich muss ja sagen, dass ich diese Reihe sehr gerne lese, weil ich viel dadurch lernen kann. Vielen Dank dafür! <3

    Was die Beschreibungen angeht, hast du natürlich recht. Es ist ein schmaler Grad, auf dem man da wandern muss. Einerseits muss es genug sein, damit der Leser sich überhaupt etwas vorstellen kann. Andererseits gerade genug, um den Leser nicht in seiner Fantasie einzuschränken. ^-^"

    Liebe Grüße
    Lisa

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    1. Liebe Lisa,

      vielen Dank für das tolle Feedback! Du zauberst mir damit ein Lächeln ins Gesicht ^^

      Und das mit den Beschreibungen ist wirklich knifflig. Ich habe immer Angst, dass meine zu kurz werden, weil ich sie ungern schreibe. Aber ich hatte auch schon Texte vor mir, deren Autoren offensichtlich genau das gegenteilige Problem haben ;)

      Liebe Grüße
      Sabrina

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