Samstag, 23. Januar 2016

Rezension "Liebe verletzt" von Rebecca Donovan

Bild: www.fischerverlage.de
Emma Thomas ist scheinbar ein ganz normales, vielleicht ein wenig in sich gekehrtes Mädchen an der Highschool in Weslyn. Sie ist sehr engagiert in allen möglichen Sportmannschaften, hat meistens gute Noten und an ihrer Seite findet man fast immer ihre beste Freundin Sara. Doch es gibt etwas, das niemand über sie weiß. Etwas, das in den Mauern ihres Zuhauses auf sie lauert. Etwas, das ihr ganzes Leben bestimmt. Etwas, das ihr Angst macht. Oder eher jemand.

Als Evan Matthews in ihrem Leben auftaucht und sich in ihr Herz schleicht, wird die Gefahr für Emma immer größer. Wird sie es zulassen, geliebt zu werden? Und geht sie das Risiko ein, sich selbst zu verlieben?



Die Geschichte:
Es ist kein einfaches Thema, mit dem sich Rebecca Donovan auseinandersetzt. Es wird sehr deutlich, wie schlimm Misshandlung sein kann und man erlebt hautnah mit, was Emma geschieht. Bei jeder Szene leidet man mit ihr.
Deshalb ist es umso schöner, wenn Phasen kommen, in denen alles leichter erscheint. In denen Emma mit Sara redet oder sie etwas unternehmen. Oder wenn sie mit Evan zusammen ist. Dass sie ihn erst nicht in ihr Leben lassen will, erscheint sehr glaubwürdig und auch all die anderen Entwicklungen sind durchaus nachvollziehbar. Der Wechsel zwischen verstörend und anrührend ist sehr gut gelungen.

Die Charaktere:
Die Figuren sind sehr detailreich gestaltet. Man entdeckt immer wieder neue Seiten an ihnen. Die Harmonie zwischen Emma und Sara gefällt mir sehr gut und auch wie sie mit anderen interagieren, ist sehr abwechslungsreich gestaltet. Immer wieder tauchen neue Charaktere auf, die die Spannung erhöhen und neue Verwicklungen bringen. Auch das Thema "Familie" ist sehr vielseitig dargestellt. Es greift alles wunderbar ineinander.

Die Protagonistin:
Wie sich Emma verhält, ist an den meisten Stellen sehr glaubhaft. Sie wirkt einerseits sehr stark und dann auch wieder schwach, was sie zu einem komplexen Charakter macht. Sie kennenzulernen, mit ihr zu leiden und sich mit ihr langsam zu verlieben, das macht die Geschichte wahnsinnig spannend. Ich persönlich konnte ihre ständigen Zweifel sehr gut verstehen.
Ihre Vehemenz, die Wahrheit zu verbergen, erschien mir auf der anderen Seite etwas sehr radikal. Ihre Gründe dafür waren zwar irgendwie sinnvoll, doch sie erscheint viel zu selbstlos. Auch dass sie sich nicht wehrt, kommt einem ein wenig spanisch vor. Wäre der erste Impuls nicht, sich zumindest zu verteidigen?
Diese Seite an Emma war meiner Meinung nach ein wenig unrealistisch, auch wenn es ohne sie keine Handlung gegeben hätte.

Der Schreibstil:
Das Buch hat sehr viele Seiten mit sehr viel Handlung. An sich war alles sehr leicht verständlich geschrieben, aber letztlich war die Geschichte einfach sehr lang. Ich weiß nicht, ob es an der ernsten Thematik liegt oder an der Seitenzahl, doch es las sich manchmal ein wenig zäh. Es ist kein Buch, das man auf einmal runterlesen kann, weil manchmal einfach Phasen vorhanden sind, in denen die Spannung eher niedrig gehalten wird. Es war nicht wirklich überladen, aber dennoch irgendwie zu viel. Die ein oder andere Szene hätte man bestimmt kürzen oder streichen können und das Buch wäre trotzdem noch genauso eindrucksvoll.

Mein Fazit:
"Liebe verletzt" ist fesselnd bis zur letzten Seite. Vor allem aufs Ende zu geht alles sehr schnell. Und wenn wir schon dabei sind – das Ende war sehr kryptisch. Das habe ich noch in keinem Buch erlebt. Eine neue, bemerkenswerte Erfahrung.
Insgesamt betrachtet war es wirklich lesenswert, allerdings ist es nicht für jedermann geeignet. Es wird deutlich vor Augen geführt, wie grausam Menschen sein können – nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten.

Der Gänsehautfaktor führt mich zu folgender Note: einer glatten 2

Sabrina S.



ISBN 978-3-7335-0031-3
Broschur, 560 Seiten

Preis € (D) 9,99 | € (A) 10,30

Originaltitel: Reason to breathe

Bestellbar unter anderem bei S.Fischer

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