Samstag, 30. Januar 2016

Kapitel- und Absatzenden

Im Gegensatz zu den Absatz- und Kapitelanfängen ist es schwieriger, genaue Merkmale für die Enden auszumachen. Wenn man liest, sind sie zwar meistens ziemlich offensichtlich gesetzt, doch genaue Bezeichnungen und Beispiele zu finden, ist gar nicht so leicht. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich mit letzten Sätzen eines Absatzes oder Kapitels in meinen ersten beiden Romanen noch nicht sonderlich gut umgehen konnte. Trotz allem hier ein paar Beispiele aus Roman Nr. 2 – den ich von nun an mit meinem Kürzel DEVD betitele, damit ihr wisst, von welchem Werk die Rede ist.

Dieses Mal stelle ich euch die Möglichkeiten nur in einer Übersicht mit Bezeichnungen und Beispielen dar, da alles einzeln zu erklären, ziemlich ausufern würde. Sollte etwas nicht nachvollziehbar sein, könnt ihr mich ruhig in einem Kommentar darauf aufmerksam machen.

Und noch ein kurzer Hinweis vorab: Die Beispiele sind nicht danach sortiert, welcher Abschluss der beste ist! 


Vorahnungen: 


Langsam schlenderte sie durch die Gassen und guckte sich die Häuser und Geschäfte flüchtig an. Eigentlich hielt sie gar nichts hier, doch trotzdem fand sie den Gedanken ans Umziehen schrecklich. Ihr war einfach nicht wohl dabei. Irgendwie hatte sie so eine Ahnung, dass dieses Ereignis nichts Gutes mit sich bringen würde.


Rhetorische Fragen:


Sam seufzte innerlich. Warum konnte nur keiner ihre Intelligenz würdigen?

Wie lange würden sie gegen diese Übermacht von Feinden nur bestehen können?


(Un-)Gedeutete Gesten / Mimik:


Und da keiner wusste, was sie jetzt tun sollten, lächelten sie sich nur verlegen an – was in diesem Moment viel mehr bedeutete als Gesten oder Worte.


Vorhaben andeuten:


„Wann werden wir sie kennenlernen? Wie können wir sie alle zusammen bringen?“, überlegte Sam laut.
Ty lächelte. „Kein Problem. Überlasst das nur mir.“ 

„Diese verfluchten …!“, ärgerte er sich und ging mit schnellen Schritten den Gang entlang, um seine Schergen zur Schnecke zu machen.


Beschluss:


Und auch er hielt sie einfach nur fest und drückte sie an sich ohne irgendein weiteres Wort, obwohl er ihr gerne noch etwas gesagt hätte – aber wie er ihr schon erklärt hatte, würde er ihre Freundschaft auf keine Weise aufs Spiel setzen, auch nicht durch seine Gefühle.


Erkenntnis:


Diana rollte die Augen. Ihr Vorschlag war eigentlich nicht ernst gemeint gewesen, jedoch musste sie sich eingestehen, dass die Idee wirklich gut war. Sie war eben unbewusst ein Genie.


Aufforderung:


„Also dann los“, sagte er heiter und erhob sich. „Folgt mir.“


Ankündigung:


„Sie haben es mir gestohlen. Und ich bin hier, um es mir wiederzuholen.“


Abbruch an spannender Stelle:


Mit einem Mal tauchte etwas aus dem Wasser auf und bevor sie sich versah, wurde sie schon hinein gezogen. Sie schrie auf.


Ohnmächtig / bewusstlos werden:


„Los, gehen wir. Wir haben hier nichts weiter zu suchen“, stellte er klar und verpasste Sam einen harten Schlag auf den Kopf, sodass sie aufstöhnte und kurz darauf das Bewusstsein verlor.


„Filmisches Abbrechen“ (nur bei auktorialer Erzählperspektive!):


Er ging voran, einige seiner Kumpane hinterher. Eine andere Gruppe wartete, bis Sam und die beiden Jungen folgten, dann verschwanden auch sie durch den Pflanzenvorhang und nichts wies mehr darauf hin, dass vor Kurzem noch jemand in der Gegend gewesen war. Man sah nur noch die Savanne und den Grünfleck, der eigentlich überhaupt nicht in die Szenerie passte.


Vorausdeutung (nur bei auktorialer Erzählperspektive!):


Wie falsch sie damit lag, wusste sie in diesem Moment noch nicht.


Bei manchen dieser Möglichkeiten kann man kaum differenzieren. Denn oft überschneiden sie sich (meistens einhergehend mit der Erkenntnis). Grundsätzlich gilt, dass man die Varianten sowohl für Absatz- als auch für Kapitelenden verwenden kann. Denn wo man ein Kapitelende setzt, könnte theoretischerweise immer ein Absatz stehen. Das geht nur nicht, wenn ihr so was habt:

„Dort liegt ein Monster vor der Tür. Und wir kommen nicht an ihm vorbei, es sei denn wir wollen, dass unser letztes Stündlein geschlagen hat“, antwortete Diana mit weit aufgerissenen Augen. „Wir sind hier drin gefangen.“
                                                                                  
Sam starrte Diana geschockt an. „Gefangen?“

Hier geht die Handlung direkt weiter, also sollte man hier keinen Absatz setzen. Ein neues Kapitel kann man allerdings anfangen, denn so wirkt die Erkenntnis, dass sie gefangen sind, viel eindrucksvoller. Und je eindrucksvoller ein Kapitelende ist, desto besser, denn gerade dann will der Leser weiterlesen.
Die einzige Ausnahme für einen Absatz an dieser Stelle ist folgende: wenn die Perspektive wechselt. Denn dann muss sowieso immer ein Absatz gemacht werden, es sei denn man benutzt den auktorialen Erzähler, bei dem ohnehin ständig zwischen den Gefühlen und Gedanken der Figuren hin und her gewechselt wird.

Zusammenfassend bleibt mir nur noch zu sagen:
Wenn ihr nicht gerade mitten in der Handlung abbrecht, um ein neues Kapitel zu setzen, dann bringt bitte alle Handlungen und/oder Gedanken zu einem Abschluss. Selbst wenn ihr das Ende eines Gesprächs nicht mehr schildert, weil es nur noch ums Verabschieden oder so geht, achtet auf einen passenden Schlusssatz. Andeutungen gehen zum Beispiel so gut wie immer. Die Hauptsache ist, es gibt ein klares Ende.


Sabrina S.

Nächste Woche gebe ich euch dann ein paar Hinweise, wie ihr mit Zeilenumbrüchen umgehen solltet. Denn auch das Erscheinungsbild des Textes ist wichtig ;)

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