Samstag, 16. Januar 2016

Der Anfang der Geschichte

Mit dem Anfang anzufangen, halte ich stets für eine gute Idee. Und darum geht es in meinem ersten Beitrag zur Reihe „Tipps einer Lektorin“ auch um den Anfang der Geschichte. Ich persönlich habe manchmal mehr, manchmal weniger Probleme mit ersten Sätzen. Früher habe ich mir auch keine großarigen Gedanken darüber gemacht. Und das merkt man meinem ersten Satz von „Die Kraft der Elemente“ auch eindeutig an:


Es war ein scheinbar schöner Mai-Nachmittag in einer kleinen Stadt – manche bezeichneten es sogar als Dorf im Norden Deutschlands.

Als Lektorin hätte ich dazu wohl solche Anmerkungen gemacht: 

  • Nie mit dem Wetter beginnen! (Das macht man nicht einmal im Smalltalk!)
  • Handlungsort und -zeit muss man nicht an den Anfang stellen! (Wir schreiben kein Drehbuch und kein Drama!)
  • Informationen innerhalb des Gedankenstrichs sind nicht relevant!
  • Erklärungen im ersten Satz vermeiden! (Zu sperrig!) 

Die Sätze in den Klammern sind vor allem dazu da, um euch zu veranschaulichen, warum man was nicht machen sollte. Nicht jedes Mal, wenn ich etwas ändere, schreibe ich so detaillierte Kommentare dazu, aber für diese Reihe handhabe ich das an besonderen Stellen so, damit ihr meine Gedankengänge nachvollziehen könnt.


Weiter geht es mit folgender Passage:

Sie sah sehr malerisch aus mit ihren vielen Parkanlagen und den kleinen Büschen und Blumen, die am Gehsteig der breiten Straßen ihre Pracht in allen möglichen Farben zeigten. Das Dorf war berühmt für seinen Park der Wasserspiele. Dort waren mehrere Brunnen mit Wasserspeiern errichtet und ein großes Stück Rasen mit Sprinklern angelegt worden. An diesem Tag war der Park leer, was komisch war, denn normalerweise tummelten sich dort sehr viele Leute, um sich diese Attraktion anzusehen.

Diese ganze Beschreibung würde ich sofort anstreichen, da man an den Anfang einer Geschichte nie eine solch detaillierte Beschreibung der Umgebung stellen sollte. Leser wollen in die Handlung hineingezogen werden und diese Sätze sind wirklich alles andere als spannend.


Doch heute ging nur ein Mädchen spazieren. Es hieß Amy Fewa und war vierzehn Jahre alt. Seine braunen Haare hingen ihm fast bis auf die Schultern und es hatte auffällige meerblaue Augen.

Vorsicht vor Personenbeschreibungen! Diese hier mag noch nicht sehr lang sein, aber lang genug, damit man sie vermeiden sollte. Ihr kennt ja bestimmt größtenteils das "Show, don't tell"-Prinzip. Dieses gilt für Personenbeschreibungen besonders. Denn diese unterbrechen das Geschehen radikal. Lieber in kleinen Mengen in Erzähltexte oder besser noch in Dialoge einbauen. Selbst wenn die Beschreibung dadurch in die nächste Szene geschoben wird, ist das vollkommen egal. Ich würde sogar behaupten, solange sie im gleichen Kapitel wie das erste Auftreten bleibt, passt das schon.


Amy hatte die Wettervorhersage im Radio verpasst und wusste damit nicht, dass es Platzregen geben konnte. Die Folge daraus war natürlich, dass es weder eine Kapuze noch einen Regenschirm hatte. Das Mädchen war gerade beim größten der Brunnen, als die ersten Tropfen fielen.

Hier habe ich damals das Geschehen eingeleitet. Allerdings ist der Übergang sehr plötzlich und ohne jegliche Einleitung. Wenn ihr die Passagen hintereinander lest, wird es euch auffallen, dass ich von einem Thema zum nächsten springe. Das solltet ihr dringend vermeiden, da es sonst abgehackt klingt! Außerdem geht der Lesefluss verloren. (In meinen Anfängen als Autorin war der Lesefluss eindeutig mein Feind ;) )


Danach setzt schließlich der etwas spannendere Teil des Anfangs ein, aber diesen erspare ich euch jetzt mal. Grundsätzlich gilt allerdings, dass ich besser mit diesem hätte beginnen sollen anstatt der vielen einleitenden Erklärungen. Darum zeige ich euch auch nicht, wie man diese obigen Textpassagen hätte verbessern können: Weil ich sie komplett hätte streichen sollen.
(Wobei das den Anfang auch nicht unbedingt verbessert. Aber ich müsste sowieso den ganzen Roman neu schreiben, wenn er wenigstens von der äußeren Form her passabel aussehen sollte.)

Und noch ein kleiner abschließender Hinweis: Ich habe die Textausschnitte nur auf orthografische Fehler bereinigt! Ansonsten ist der Text in der Originalfassung, also stilistisch und grammatikalisch unausgereift! Wenn ich nicht konkret auf Fehler hinweise, dann überlest sie einfach. Es folgen weitere Beiträge der Reihe, in denen ich auf solche Fehler eingehen werde.


Sabrina S.

Ausblick: Nächste Woche geht es dann mit Kapitel- und Absatzanfängen im Allgemeinen weiter. Wir arbeiten uns vom Groben ins Feine – also vom Text über die Sätze und Wörter bis hin zu den Zeichen :)

Kommentare:

  1. Sehr spannend und ich freue mich, noch mehr Beiträge dazu zu lesen ;)

    Liebe Grüße,
    Tinka :)

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    1. Ich freue mich darauf, mehr Beiträge zu schreiben ;)

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Ich freue mich auf eure Kommentare!