Dienstag, 15. Dezember 2015

"Lieber mehr planen, statt über 800 Normseiten zu überarbeiten."

Nach meiner Erkenntnis, dass mein zweiter Roman 822 Normseiten (!) hat, wurde mir klar, dass ich die Gründe für die Länge irgendwie aufarbeiten muss. Schließlich stecke ich momentan mal wieder in einem Fantasy-Projekt, dessen Anfang viel länger geworden ist, als er sollte. Und da dachte ich mir, ich mache das einfach hier. Denn vielleicht lernt ihr so ja etwas aus meinen Fehlern.

Während ich vergeblich versuchte, "Die Kraft der Elemente" zu veröffentlichen, schrieb ich an einem weiteren Fantasy-Roman für Kinder und Jugendliche. Die Arbeit zog sich über ganze drei Jahre. Hört sich für Vielschreiber wahrscheinlich an wie eine Ewigkeit. Aber es gibt Gründe dafür, dass der Roman so lang wurde. Der wohl entscheidenste ist, dass ich die Geschichte einfach angefangen habe, ohne viel über die Handlung zu wissen. Das war eine komplett neue Erfahrung für mich, da ich für "Die Kraft der Elemente" einen genauen Handlungsplan hatte. Roman Nr. 2 ergab sich eher spontan aus einer Laune heraus. Vor lauter Ideen wusste ich überhaupt nicht, an was ich schreiben sollte. Und da fing ich einfach an.

Ein riesiger Fehler, wie mir inzwischen klar ist. Nur zum Vergleich:
An "Die Kraft der Elemente" arbeitete ich ein gutes Jahr. Die Geschichte hat 527 Normseiten, was auch viel ist. Aber für die knapp 300 Seiten mehr von Roman Nr. 2 brauchte ich zwei Jahre länger. Also bereits meine Anfänge zeigen, dass ich als Planerin/Outlinerin deutlich besser bin als im Discovery Writing.

Doch nun zurück zur Entstehung von Roman Nr. 2:
Alles, was ich anfangs für die Geschichte hatte, waren die Charaktere. Namen auf Papier. Ich kannte die Beziehungen untereinander, bevor ich wusste, wie die Personen überhaupt aussahen. Ich wusste, welche Farben ich ihnen zuordnen würde (ich liebe Farbenzuordnungen, aber das nur am Rande). Eigentlich keine gute Strategie, um Charaktere zu entwerfen. Aber das stellte für mich kein Problem da, die Figuren entwickelten sich mit der Handlung. Alles entwickelte sich mit der Handlung. Die magische Welt, in die es zu reisen galt. Die magischen Wesen, denen meine Protagonisten dort begegnen würden. Die Feinde und die Verbündeten. Ich hatte während des ganzen Schreibprozesses keine festen Anhaltspunkte. Wenn mir eine Idee kam, arbeitete ich darauf hin.

Diese Art des Schreibprozesses werde ich bestimmt nie wieder gehen. Denn ohne feste Ziele und mit viel zu vielen Charakteren in einer magischen Fantasywelt kann man die Handlung schier endlos fortsetzen. Vor allem da es statt weniger Leuten eher mehr wurden.
Irgendwie schafften es meine Figuren trotzdem zu ihrem großen Finale. Den Weg dorthin plante ich schließlich doch noch, damit ich am Ende nichts vergessen würde.

Hier links seht ihr das Ergebnis meiner Planungen bis zum Ende hin.

Im Grunde könnte das der Plot für eine ganze Geschichte sein, so viele Infos stehen auf den Zetteln, aber im Wahrheit waren das gerade mal die letzten hundert Seiten. Könnt ihr jetzt erahnen, warum Roman Nr. 2 so lang geworden ist? Vermutlich schon.
Weitere Komplikationen gab es, als sich die Charaktere verselbstständigten. Da näherten sich zwei an, die fast überhaupt nichts miteinander zu tun haben sollten. Andere waren plötzlich wichtiger als geplant. Und um noch eins oben drauf zu setzen, vergaß ich eine der Hauptfiguren im Laufe der Handlung! Die dann wieder in die Geschichte einzufügen, warf vereinzelte Plotfragmente erst recht durcheinander.

Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht mehr ganz genau daran, was ich empfunden habe, als ich das letzte Wort unter die Geschichte setzte. Ich glaube, ich realisierte es erst gar nicht, da ich so ergriffen von dem Ende war. Und dann stellte sich schließlich Erleichterung ein. Drei Jahre Arbeit an der ersten Fassung eines Romans. Manchmal musste ich damit wirklich kämpfen und nicht selten verging mir die Lust. Soweit ich noch weiß, wollte ich irgendwann auch mal aufhören. Aber ich tat es nicht. Ich beendete die Geschichte.

Dann begann ich sofort mit der Planung der Überarbeitung. Denn nach drei Jahren erkennt man den Unterschied zwischen Anfang und Ende des Manuskripts deutlich. Abgesehen davon war mir bewusst, dass es viel zu lang war. Also überlegte ich fieberhaft, wie ich die Story kürzen könnte. Ich überwand mich, strich zwei Charaktere raus. Ich schrieb den kompletten Anfang neu. Ich ließ einzelne Szenen weg und kürzte die Gedankenstränge der Figuren.
Als ich bei der Hälfte der Überarbeitung angekommen war, wurde mir klar: Das hilft alles nichts. Die Geschichte ist immer noch zu lang, ich habe immer noch zu viele Charaktere.

Deshalb ließ ich es. 

Bis heute habe ich eine viel zu lange Originalfassung und eine halb fertige Überarbeitung auf meinem Computer. Und nicht mal die wäre gut genug, um sie veröffentlichen zu können. 

Eigentlich wurmt es mich, dass ich etwas mittendrin abgebrochen habe. Ich hasse so was. Entweder ganz oder gar nicht. Nur war mir unterbewusst wohl schon klar, dass der Roman nicht gut genug war, um ihn der Öffentlichkeit zu präsentieren.
Darum begann ich lieber mit der "Krieger"-Trilogie, die ich neben der Überarbeitung schon zu planen angefangen hatte. Wohl oder übel muss ich zugeben, dass es wohl die richtige Entscheidung war, Roman Nr. 2 liegen zu lassen.

 Und wenn ich heute in dem halb überarbeiteten Manuskript lese, dann denke ich mir Folgendes:

Notizen einer Autorin an sie selbst - witzig, hilfreich oder kurios?

Mein Tipp für mich in Zukunft ist also: Lieber mehr planen, statt 822 Seiten zu überarbeiten.


Mit richtig entschiedenen Grüßen

Sabrina S.

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