Samstag, 10. Januar 2015

Schreibe über das, was du kennst - oder lieber doch nicht?

Da draußen das Tief "Felix" übers Land zieht, bleibt man lieber drin. Ich für meinen Teil lese oder schreibe an solchen Tagen gern. Oder ich setze mich vor den Fernseher, um mich von irgendwelchen Serien und Filmen inspirieren zu lassen. Aber manchmal hocke ich auch einfach nur herum und mache mir Gedanken. Diese werden ins Tagebuch übertragen oder in einer Geschichte verarbeitet. Letzteres ist bestimmt die sinnvollste Variante für einen Autor. Denn heißt es nicht, man soll über das schreiben, was man kennt?

Meine Kurzgeschichten, die in irgendeiner Weise autobiografisch angehaucht sind, verstecke ich entweder auf meinem Laptop hinter ganz vielen Ordnern oder ich bearbeite sie und schicke sie zu Ausschreibungen. Bisher muss ich sagen, dass mir das noch kein Glück gebracht hat. Vielleicht waren sie zu negativ (über positive Empfindungen schreibt es sich bei mir nicht gut) und deprimieren Herausgeber, Lektoren und Leser. Dabei will doch keiner eine Geschichte lesen, in der alles nur toll ist und jeglicher Konflikt fehlt. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich dann den Fokus auf innere Monologe lege statt auf äußere Handlung. Aber bedeutet das, dass sie deswegen weniger wert sind, diese Art von Geschichten? Ist es doch so, dass keiner lesen will, was im Leben der Autoren passiert oder passieren kann?

Dabei wissen viele nicht, welche Menge an realen Emotionen und Gedanken tatsächlich in ein Buch einfließen kann. Selbst den verstörendsten Thrillern oder den unwirklichsten Fantasygeschichten können wahre Gegebenheiten zugrunde liegen. Natürlich sitzen Autoren nicht bei jeder traurigen Szene weinend da. Und auch nicht jede kitschige Liebesszene bedeutet, dass der Autor gerade happy in love ist. Es funktioniert nur einfach besser, wenn man über Emotionen schreibt, die man selbst erst kürzlich durchlebt hat bzw. gerade durchlebt. Das steigert die Echtheit und die Authentizität der jeweiligen Szene.

Die Gefahr, sich zu sehr in die eigenen Leiden hineinzusteigern und die betroffenen Figuren außer Acht zu lassen, ist dabei allerdings ziemlich groß. Während man schreibt, bemerkt man das jedoch nicht. Erst wenn man etwas Abstand zu den Gefühlen bekommen hat und erneut über die Geschichte drüber liest, fällt dem Autor auf, wie schlimm alles klingt, wie ausufernd das Ganze beschrieben ist. Dann bleibt einem fast nichts anderes übrig, als die Szene zu überarbeiten, bis sie wieder nach "Geschichtenschreiben" klingt und nicht nach "Tagebucheintrag".

Ganz anders verhält es sich bei Geschichten, die tatsächlich über den Autor handeln. Aber mal ehrlich: Wie viele Autobiografien von Autoren habt ihr schon gelesen?
Meistens interessieren die Leser tatsächlich nur für das Erfundene, nicht für die Realität des Erfinders. Nur gut, dass es heutzutage Social Media gibt. Denn wenn Schriftsteller wirklich etwas Privates mitteilen wollen, dann funktioniert das am besten über Blogs, Facebook, Twitter und Co.

Oder was meint ihr? Wie viel Privatleben des Autors/der Autorin ist in Geschichten erlaubt?

Sabrina S.

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