Montag, 15. Dezember 2014

Warum fehlt Fantasy-Buchreihen oft das spektakuläre Ende?

Ich weiß nicht, ob es so manchem von euch schon einmal aufgefallen ist. Doch bei Fantasy-Buchreihen ist es oft so, dass das Ende im Vergleich zu all der Handlung zuvor sehr unspektakulär vonstatten geht. Diesem Phänomen will ich heute auf den Grund gehen.

Das erste Mal, als mir das ins Auge gestochen ist, war bei "Harry Potter". Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie es beschrieben wurde, jedoch weiß ich, dass es mir zu schnell ging. In sechs Büchern, in denen in irgendeiner Weise gegen Voldemort gekämpft wurde, gab es spektakuläre Kämpfe, die sehr viel Leid und Tod verursacht haben. Und obwohl am Ende das Finale mit dem Kampf um die Schule zu Ende geht (der sehr viel Leid und Tod beinhaltet!), ist das Duell zwischen Harry und Voldemort dagegen sehr kurz. Und Voldemort wirkt auf einmal nicht mehr so unbesiegbar.

Gleiches ist mir auch in der "Shadow Falls Camp"-Reihe aufgefallen. Da es sich dort jedoch auch noch um andere "Gegner" dreht, wirkt hier der Bösewicht Mario nicht mehr ganz so unverwundbar. Darum konnte ich das hier akzeptieren, dass das Ende kurz und schmerzlos ist.

Mehr Sorgen hat mir hingegen "House of Night" bereitet (für alle, die nicht wissen wollen, wie es ausgeht, erst beim vorletzten Absatz weiterlesen!). Kürzlich habe ich "Erlöst", den 12. und letzten Teil, gelesen. Natürlich habe ich geguckt, wie viele Seiten das Buch hat, um zu wissen, wie viel noch auf mich warten wird. Als noch knapp vierzig Seiten kommen sollten, habe ich mich langsam gefragt, wo das Finale bleibt. Da ahnte ich bereits, dass der letzte Kampf nicht besonders lang sein kann. Letztendlich fand ich das Ende auch sehr unbefriedigend (nicht im Bezug auf das Happy End, das war schon okay, auch wenn ich es nicht anders erwartet habe). Dafür, dass Zoey das ganze Buch nicht weiß, wie sie mit dem Seherstein umgehen soll und es sogar verweigert, ihn überhaupt zu tragen, geht es am Schluss erstaunlich gut mit der Kontrolle. Da kamen keine Probleme mehr auf mit den möglichen Folgen alter Magie. Außerdem hielten sich die Verletzungen der Hauptfiguren nach all den Toten zuvor in Grenzen. Hatten die Autorinnen also bereits im Maß an Gewalt ausgeschöpft? Oder wussten sie sich vielleicht sogar selbst nicht mehr anders gegen Neferet zu helfen?

Natürlich klingt das jetzt sehr hart. Und wahrscheinlich gibt es plausible Erklärungen. Doch ich als Leserin, Lektorin und Autorin hätte mir gewünscht, dass das Ende spektakulärer wird. Dass es noch mehr Schwierigkeiten gibt. Dass irgendwas nicht funktioniert, wie es soll. Dass etwas Unvorhersehbares passiert. Doch letztendlich wurde alles sehr simpel aufgelöst. Die These mit den ständigen Wiederholungen, die ich in einem meiner älteren Blogbeiträge über Geheimnisse und Cliffhanger aufgestellt habe, hat sich außerdem noch vielmehr bestätigt. Neferet passiert das Gleiche wie Kalona. Sollte da mal eine Fortsetzung der Reihe im Gespräch sein oder ein Spin-off, dann weiß ich sofort, was passieren sollte: Neferet wird von jemandem befreit, der nach Macht strebt und leicht wahnsinnig ist. Na ja, ich glaube, darauf können wir alle verzichten ...

Jedenfalls kann ich schlecht beurteilen, ob den Autoren irgendwann die Ideen ausgegangen sind, wie man die Bösewichte umbringen oder für immer gefangen setzen kann. Ich will auch nicht deren Kreativität kritisieren. Nur ich als Lektorin hätte da so einige Kommentare ans Ende des Manuskripts gesetzt. Und den ein oder anderen Vorschlag vorgebracht, was zu verbessern wäre. Indirekt gilt meine Kritik also vor allem den Lektoren solcher Werke. Vielleicht ist da der Respekt vor dem Erfolg der Bücher schuld, dass sie sich nicht mehr so recht trauen, viel an den Autoren herum zu kritisieren. Die müssen immerhin jetzt wissen, wie Erfolg geht, nachdem all die Teile zuvor so großen Erfolg hatten. Oder ... oder ... oder ...

Wahrscheinlich finde ich nie heraus, ob meine Thesen stimmen. Vielleicht sind sie auch an den Haaren hereigezogen. Aber so als Tipp am Rande an Autoren und Lektoren (ich hoffe, ich darf mir das als Anfängerin erlauben, ohne dass es frech klingt):

Feinde, die im Laufe von mehreren Büchern immer mehr an Macht gewinnen und nicht besiegt werden können, die sollten am Ende der Buchreihe nicht auf einen Schlag, auf eine gut umgesetzte Idee tot umfallen, zerbröseln oder verschwinden. Der finale Kampf muss schwierig sein. Sonst wirkt die Stärke des Bösewichts/der Bösewichte unglaubwürdig.

Sabrina S.

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