Donnerstag, 11. Dezember 2014

"Die Guten" - sind sie immer die Verlierer?

Was soll denn dieser kryptische Titel, fragt ihr euch jetzt bestimmt. Schließlich gewinnen die Guten ja meistens. Aber von diesen Guten spreche ich nicht. Sondern von "den Guten", denjenigen, die immer freundlich sind, immer alles richtig machen und ... sich immer in die falschen Mädchen verlieben.
Dieses Thema habe ich bereits einmal angeschnitten in meinem Beitrag über Figuren-Klischees. Darin habe ich aufgezeigt, welche zwei Typen von Jungen meistens vorkommen. "Der Gute" und der Bad Boy. Meistens verstricken sich diese beiden dann in eine Dreiecksgeschichte mit der weiblichen Protagonistin, was zu einer Menge Gefühlschaos führt. Einmal will sie eher den, einmal den anderen. Und letztendlich landet sie doch beim Bad Boy. Haben "die Guten" also gar keine Chance?

Es ist echt zum Verrücktwerden in diesen Jugend-Fantasy-Romanen. Mädchen lernt guten Jungen kennen, entwickelt Gefühle für ihn und dann taucht der berüchtigte Bad Boy auf. Er scheint das Mädchen erst nicht ausstehen zu können und verliebt sich dann doch in sie (was er natürlich erst nicht zugeben will). Tja, und sie – sie ist hingerissen von seiner draufgängerischen Art. Und steht auf einmal zwischen den zwei Typen. Ihrem besten Freund, der ihr immer zur Seite steht und dem Kerl, der ihr scheinbar ständig das Leben rettet. Verdammt, wie soll man sich da entscheiden? Antwort: Für den, der die Leidenschaft in ihr entfacht, den Bad Boy also.

Aber woran liegt es, dass "die Guten" nicht das Mädchen kriegen? Immerhin machen sie doch alles richtig - denken sie zumindest. In all der Fürsorge und Besorgnis, dem Mitleid, der Nettigkeit und dem deutlichen Beschützerinstinkt steckt etwas Beengendes, das das Mädchen abschreckt. "Die Guten" werden oft zu regelrechten Klammeraffen, weil sie sich so stark in ihre Angebetete verliebt haben, dass sie nicht mehr eine Sekunde ohne sie sein wollen, jegliche Gefahren müssen von ihr abgewendet werden. Psychologisch gesehen ist das bestimmt nicht förderlich für eine mögliche Beziehung. Auch Mädchen wollen ihre Freiheiten, wollen eigenständig sein und mal die Heldin spielen. Unmöglich, wenn der Freund einem ständig auf der Pelle hockt.

Darum wenden sie sich dem anderen Typen zu, der genau das nicht tut. Er hält sich lieber von ihr fern, ist er doch unsicher, was er für sie empfindet. Er lässt sie eigene Entscheidungen treffen, ist nur dann zur Stelle, wenn sie wirklich nicht mehr weiter weiß. Das entspricht einfach viel mehr einem geeigneten Partner für eine Fantasy-Heldin. Jemand, der sich im Hintergrund hält und sich nicht durchgehend als Beschützer in den Mittelpunkt rückt. So kann aus der Protagonistin nie eine Heldin werden, die essentiell für die Geschichte ist.

Natürlich gibt es auch noch andere Faktoren, die den Bad Boy so anziehend machen: Meistens ist er viel attraktiver als "der Gute", das "Böse" an ihm wirkt anziehend auf die "gute" Protagonistin – Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an – und und und.
Sieht also nicht besonders gut aus für "den Guten". Egal, wie man es dreht und wendet, er kann eigentlich nur verlieren (wenn ihr ein gegenteiliges Beispiel habt, nur her mit euren Kommentaren!).
Aber auch er kann ein Mädchen kriegen, keine Sorge. Nur eben keines von der Sorte der typischen weiblichen Heldenfigur.

Wenn die Autoren unter euch also "den Guten" an die Frau bringen wollen, baut ihm eine ein, die ihn auch wirklich verdient. Keine, die mit seinen Gefühlen spielt ...

Sabrina S.

Kommentare:

  1. Hallo!
    Echt ein interessanter Beitrag:)
    Hat Spaß gemacht den zu lesen.
    LG Enna

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    1. Freut mich, dass er dir gefallen hat, Enna! ^^

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  2. Daumen hoch! Guter Beitrag. Warum sollen Romanautoren nicht die Wirklichkeit in ihren Werken rüberbringen? Wenn so ein Buch nicht realistisch ist, legen es die Leser weg - zurecht! Falsche Harmonie können wir in der Literatur nicht brauchen.

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    1. Danke! Und ich wette, da sprichst du nicht nur mir aus der Seele, Jens! Manches ist vielleicht tatsächlich etwas zu realitätsfern.

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  3. Ich habe das Gefühl, dass die guten Jungs schnell langweilig werden. Nicht, weil sie oberflächlich und flach geschrieben sind, ganz im Gegenteil. Aber selbst dann, wenn sie wirklich Tiefe haben, neigen sie dazu keine Geheimnisse zu haben und sich ihrer Liebsten vollkommen zu öffnen.
    Die Bad Boys hingegen haben meistens mindestens ein großes Geheimnis, über das sie nicht reden wollen, und noch ein Dutzend kleinerer. Das macht sie so interessant: Frau muss sich anstrengen, um hinter die Maske zu schauen. Beim guten Kerl kriegt sie alle Antworten auf dem Silbertablett serviert, ohne wirklich Eigenleistung bringen zu müssen - er erzählt es ihr einfach, weil er der gute ist, ihr vertraut und offen sein will. Das ist an sich natürlich großartig, aber eben auch schnell eintönig.

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    1. Besser hättest du es nicht formulieren können, Frauke! Das mit den Geheimnissen, das stimmt nämlich tatsächlich, das macht den Bad Boy meistens aus. Zum Leidwesen des "Guten", der in dieser Hinsicht leider so gar nicht mithalten kann, weil es nicht seinem Wesen entspricht. Eigentlich kann er gar nichts dafür, dass er fast nie das Mädchen kriegt - was umso mehr unser Mitleid erregt und ihn damit nicht gerade zum Helden macht.

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