Dienstag, 2. Dezember 2014

Bin ich überhaupt ein Autor? – Eine Definitionsfrage

Wir Autoren haben ein grundsätzliches Problem. Denn ebenso wie viele Definitionen von Fachbegriffen umstritten sind, gibt es keine grundsätzliche Definition für uns Autoren. Denn wann darf sich ein Mensch Autor nennen?
Jeder Schüler schreibt in seiner Schullaufbahn. Reizwortgeschichten, Bildergeschichten oder kleine Gedichte werden bereits in der Grundschule verfasst. Aber macht das jedes Kind zum Autor? Eigentlich schon, wenn man einen Autor als jemanden sieht, der etwas Kreatives schreibt. Aber was macht man dann mit Sachbuchautoren, Essayisten oder Journalisten? Was mit Werbetextern? Was mit Songschreibern? Sind all diese Menschen Autoren?

Bestimmt würde ein Journalist nicht automatisch sagen: "Ich bin Autor!" Denn obwohl auch er Texte verfasst, sind diese nur mehr oder minder fantasievoll. Es sind Berichte über Ereignisse, die passiert sind oder passieren. Sie müssen ziemlich sachlich und objektiv sein. Und viele würden Autoren gerade über diese Kreativität definieren. Das würde jedoch bedeuten, dass alle Leute, die Sachbücher oder Biografien schreiben, keine Autoren sind. So kann man also auch nicht an die Definition herangehen.
Andere behaupten mit Sicherheit, dass ein Autor nur jemand ist, der bereits etwas unter eigenem Namen oder Pseudonym veröffentlicht hat. Der beweisen kann, andere können meine Texte lesen, ohne mich persönlich kontaktieren zu müssen. Doch was ist dann mit all den Menschen, die Geschichten schreiben und es trotzdem nicht wagen oder es nicht schaffen, sie zu veröffentlichen? Haben die deshalb nicht das Recht, sich Autor zu nennen? Damit würde man vermutlich einen richtigen Shitstorm von Hobbyautoren lostreten, die sich über diese Sichtweise aufregen. (Ja, wir Schriftsteller können sehr wütend werden, wenn es um unsere Passion geht!)

Wenn ich etwas aus der Uni mitnehme, dann auf jeden Fall die Erkenntnis, dass sehr vieles unklar und umstritten ist. Fast jeder Klassiker lässt sich mindestens zwei verschiedene Arten interpretieren. Begriffsdefinitionen sind in jedem Lexikon anders.
Und so ist es auch mit uns Autoren. Jeder von uns ist individuell. Und doch sind wir eine große Gemeinschaft, die jeden hereinlässt, der das Schreiben so sehr liebt wie wir. Uns ist es egal, was jemand schreibt oder wie viel er veröffentlicht hat. Jeder, der Texte verfasst und liebt, was er tut, ist willkommen in der Autorengemeinschaft. Denn wir alle stellen jemandem Schrift zur Verfügung – und wenn es nur für uns selbst ist …

Sabrina S.

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