Donnerstag, 27. Februar 2014

Brauchen meine Figuren einen Nachnamen?

Als Autor will man natürlich absolut nichts falsch machen in seinen Büchern. Das heißt, alles muss bis ins kleinste Detail durchgeplant werden. Vor allem die Charaktere. Bloß, was tut ihr, wenn ihr gerade einen zwei Seiten langen Steckbrief erstellt habt und dann fällt euch auf einmal auf: Da fehlt doch was!
Ja, so ging es mir bei meinem letzten Roman. Was gefehlt hat? Keiner meiner Charaktere hatte einen Nachnamen (von einem mal abgesehen). Und wisst ihr was? Sie haben jetzt immer noch keine.
Für mich war es nicht von Bedeutung, dass meine Figuren einen hatten. Die Vornamen waren wichtig genug, da wären die Nachnamen zur Nebensächlichkeit geworden.

Falls ihr euch fragt, ob eure Charaktere Nachnamen brauchen, hier ein paar Auswahlkritierien:


1) Das Genre:

Schreibt ihr realitätsnahe Geschichten, z.B. in den Bereichen Romance, Krimi oder Thriller? Dann wäre es von Vorteil, wenn die Personen einen Nachnamen hätten. Schließlich spielt die Geschichte in unserer Welt und in der sieht man überall Nachnamen stehen. An den Klingeln, in wichtigen Dokumenten oder im Bezug auf die Unterschrift. Außerdem sind die Charaktere in diesen Genres meist erwachsen, wo man sich also meistens mit Vor- und Nachnamen vorstellt.

Vgl. In meinem Fantasy-Roman sind die Protagonisten zwischen 13 und 17 Jahren alt. (Der Einzige, der bei mir einen Nachnamen trug, war ein 29-jähriger Mann.)


2) Die Welt:

Vor allem wichtig für Fantasy- und Science-Fiction-Schreiber. Denn wenn ihr die Story in einer anderen Zeit ansiedelt oder in einer komplett anderen Welt, können da schon andere Sitten herrschen. Nachnamen existieren gar nicht, weil jeder einen individuellen Vornamen hat. Nachnamen sind im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten. All solche Faktoren müssen berücksichtigt werden.
Natürlich kann eure Hauptfigur oder auch eine Nebenfigur ein erfundenes Wesen sein, dann sind Nachnamen ohnehin meist sinnlos. Auch bei Rassen, die halb menschlich sind, muss man sich gut überlegen, ob die zwingend Nachnamen haben müssen. 

Vgl. Mein Fantasy-Roman dreht sich darum, dass die Protagonisten von der heutigen Zeit in eine Fantasy-Welt reisen müssen, um dort ihre Bestimmung zu erfüllen. Höchstens ein Zehntel der Handlung spielt sich also auf der Erde ab.


3) Die Person(en):

Wie wichtig sind die Figuren? Braucht jede einzelne Nebenfigur einen Nachnamen? Wenn diese einmal erwähnt wird und zwei Seiten später ins Nirvana verschwindet, ist es eigentlich absolut sinnlos, sich extra einen Nachnamen auszudenken/auszusuchen.
Außerdem kommt es auf die Figur an sich an. Wenn es eine eher mystische oder schweigsame Person ist, dann ist es vielleicht sogar besser, nicht sofort alles aufzudecken, was sie betrifft. Man kann den Nachnamen ja auch erst am Ende enthüllen, als ein gelöstes Geheimnis oder dergleichen.
In Geschichten, in denen es um Familienangelegenheiten (Fehden, Geheimnisse, ...) geht, ist es quasi unabdingbar, den Charakteren Nachnamen zu geben. Denn die haben dann meist einen hohen Wert.
Oder wenn jemand grundsätzlich nur mit dem Nachnamen angeredet wird (z.B. [Draco] Malfoy aus "Harry Potter"). 

Vgl. In meinem Fantasy-Roman sind die Vornamen der Protagonisten bereits so wichtig, dass Nachnamen nur ablenken würden. Vor allem, da ich relativ viele wichtige Figuren habe und sie aus Deutschland kommen, so viele Nachnamen einfach unpassend klingen würden.


4) Die Art der Geschichte:

In Romanen ist es grundsätzlich üblicher, den Figuren Nachnamen zu geben. Schreibt ihr allerdings nur Short Stories, also kurze Geschichten, da ist es hingegen relativ unüblich, dass die Personen Nachnamen haben. Schließlich werden hier meist nur ein Augenblick oder ein paar wenige Momente aus dem Leben einer bzw. mehrerer Figuren beschrieben.
Bei Geschichten, die zwischen 1 und 10 Seiten haben, wäre meine Empfehlung, keinen Nachnamen zu geben. Es sei denn, er ist wichtig.

Vgl. Mein Fantasy-Roman hat ... zu viele Seiten. Da fällt er eindeutig aus meinem gerade aufgestellten Rahmen heraus.


Ich hoffe, ich konnte euch jetzt im Bezug auf Nachnamen ein wenig weiterhelfen. Wie ihr diese auswählt, bleibt euch natürlich selbst überlassen. Ein Artikel zur Namensgebung im Allgemeinen folgt in Kürze.

Sabrina S.

1 Kommentar:

  1. Also aus der Sicht eines Lesers würde ich sagen: Ja, Figuren brauchen Nachnamen. Zumindest die wichtigen, zumindest die menschlichen und auch die Nebenfiguren, wenn sie nicht gerade die besten Kumpels sind. Nachnamen können ja durch die unterschiedlichen Anreden die Beziehungen zwischen den Figuren verdeutlichen. Würden sich beispielsweise in einem deutschen Roman alle Figuren direkt duzen und mit Vornamen ansprechen, fände ich das sehr ungewöhnlich.

    Gerade in HighFantasy, die oft mittelalterlich angehaucht ist, haben die Figuren ja in der Regel Nachnamen (oder ähnlich verwendete Familientitel), die ihre Herkunft herausstellen.

    Außerdem frage ich mich beim Lesen oft: Habe ich den Nachnamen überlesen. Wie heißt die Figur noch einmal komplett. Da fehlt einfach was - und man stelle sich vor, Harry Potter oder Hermine oder Ron (oder oder oder) hätten alle keine Nachnamen gehabt.

    Selbst, wenn er nur einmal erwähnt wird, ist es mir je nach Alter und Beziehungsstatus lieber, der Nachname wird genannt.

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