Sonntag, 6. Oktober 2013

Geschichtenplanung - wenig, viel oder Mittelmaß?

Ich liebe es, Geschichten zu planen. Plotten, Charaktere erfinden, Notizen machen. All das gibt mir immer wieder einen Kick. Allerdings gibt es mehrere Herangehensweisen ans Geschichtenschreiben. Hier ein paar Beispiele und wie ich sie beurteile:

1) Einfach drauf los schreiben (Discovery Writer):

Was heißt das? Man fängt eine Geschichte an, obwohl man noch nicht mal genau weiß, um was es geht. Man kennt die Charaktere nicht, weiß nicht, wo und wann die Geschehnisse angesiedelt sind und vielleicht hat man nicht einmal das Genre festgelegt. Alles, was diese Methode hergibt, ist das Schreiben selbst. Da ist nicht viel mit Planung, man lässt eher seiner Fantasie und der Kreativität freien Lauf.

Wie beurteile ich das? Ich hab nicht sonderlich viel übrig für diese Variante. Vielleicht liegt es daran, dass ich von Grund auf eine Planerin bin. Nicht zu wissen, was vor einem liegt, das macht mir Angst, selbst wenn es sich nur um Worte in einem Dokument auf dem Computer oder auf dem Papier handelt. Abgesehen davon kann einiges unlogisch werden.
Allerdings … muss ich gestehen, dass mein zweiter Roman genauso angefangen hat. Ich war knapp einen Monat mit meinem Debüt als Schriftstellerin fertig und hatte eigentlich vor, mich auf die Überarbeitung zu konzentrieren. Pustekuchen. Stattdessen habe ich aus Lust und Laune eine Geschichte angefangen, von der ich nur das Thema, die Namen der Charaktere und den Titel wusste. Ich hatte keinen Schimmer vom Inhalt. Und trotzdem habe ich nie an der Geschichte gezweifelt. Letztlich hat die Originalfassung sogar über 700 Normseiten, was natürlich zu viel ist. Und das ist das Manko an der Methode. Ich habe geschrieben ohne zu planen. Erst im Laufe der Zeit kamen mir immer mehr Ideen, die ich alle reinbringen wollte. Dadurch entstand dann diese krasse Überlänge.

2) Bis ins kleinste Detail planen (Outliner):

Was heißt das? Dreiseitenlange Steckbriefe der Charaktere, zehnseitige Zusammenfassungen der Geschichten und überall fliegen Zettel mit zusätzlichen Details durch die Gegend. Jedes winzige Detail muss festgehalten werden, wenn es auch noch so unwichtig für den Leser werden wird. Hauptsache, es gibt kein einziges Geheimnis mehr. Die Charaktere überraschen dich mit ihren Handlungen nicht, weil sie genau das tun, was du ihnen vorgibst. Jedes Ereignis passiert wie geplant, da bleibt kein Platz für eine neue Idee. Ist irgendwo etwas unlogisch? Sofort alles ändern. Am Besten auch noch mal Hintergründe und so was recherchieren. Nichts Unvorhergesehenes darf vorkommen.
Wie beurteile ich das? Wie sagt man so schön? Wenn man nichts Positives sagen kann, sollte man lieber den Mund halten? Na ja, ganz so schlimm ist es jetzt vielleicht nicht. Aber ich bin einfach kein Fan von Planungs-Freaks. Mir kommt es dann immer so vor, als wäre die Geschichte wie ein Sachtext. Oder eine Erörterung. Überleitung, Behauptung, Begründung, Beispiel. Und das wieder und wieder. Für mich hat es keinen Reiz, alles im Vornherein zu wissen. Wo bleibt da die Kreativität beim Schreiben? Alles wird irgendwie mechanisch und meiner Meinung nach langweilig.
Allerdings … wenn man flott vorankommen will, ist diese Variante die Beste. Geplantes muss nur noch niedergeschrieben werden. Perfekt fürs Einhalten von Abgabeterminen.

3) Planen und Schreiben in Wechselwirkung:

Was heißt das? Grobe Strukturen planen und erste Steckbriefe für die Charaktere entwerfen, das ist der Grundstein für diese Methode. Man kennt das Thema. Einzelne Szenen, die man unbedingt reinbringen will, sind bereits notiert. Das alles braucht man, um mit dem Schreiben beginnen zu können. Man arbeitet auf die Ereignisse hin, die einem am Wichtigsten sind und gestaltet die Übergänge intuitiv.
Wie beurteile ich das? Meine favorisierte Variante. Dabei bleibt die Planung, die nötig ist, um eine nicht zu kurze/zu lange Geschichte zu schreiben, nicht auf der Strecke. Aber auch die Kreativität kann eingreifen. Charaktere können sich auch mal verselbstständigen, Ereignisse anders ablaufen als geplant und man kann immer noch Neues reinbringen ohne alles ändern zu müssen. Man ist nicht so eingeschränkt wie beim detaillierten Planen und kann unlogische Fehler wie beim freien Schreiben vermeiden.
Allerdings … kann es so am Längsten dauern, da man das Geplante mit der Kreativität in Einklang bringen muss. Außerdem können sich Übergänge schwierig gestalten. Manchmal fehlt einfach ein notwendiges Puzzleteil. Und alles kann ganz anders kommen als man ursprünglich wollte, was sowohl positiv als auch negativ sein kann. Vielleicht hat man am Ende eine ganz andere Geschichte als die, die man am Anfang im Kopf hatte.

Mein Fazit: Jeder muss selber wissen, wie man ans Schreiben herangeht. Aber egal, welche Variante der Autor bevorzugt, das Ziel ist doch immer dasselbe. Eine gute Geschichte zu verfassen.

Sabrina S.

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